Jetzt ist es soweit. Ich weile voraussichtlich bis Frühling 2007 in Chile. Hier werde ich alle meine Reise- und Erlebnisberichte aus Chile publizieren. Um jeweils die aktuellen Berichte per Mail zu erhalten, empfehle ich dir deine E-Mailadresse unter der Rubrik Newsletter / Reiseberichte zu registrieren.

Inhaltverzeichnis

1. Bericht vom 7. November 2005

Bei der Ankunft habe ich gar nicht das Gefühl gehabt, in einem anderen Kontinenten angekommen zu sein. Mit dem Gepäck hat alles bestens geklappt und geflogen bin ich ja mit der deutschen Lufthansa. Nach einer Wartezeit bin ich herzlich von meiner Gastmutter am Flughafen empfangen worden. Ich fühle mich auch gleich zu Beginn nicht fremd bei meiner Gastfamilie, da wir schon über die Steyler Missionare, Personen die wir kennen, über meinen Aufenthalt und so weiter unterhalten. Wobei ich etwas Mühe mit dem Sprechen bekunde, dafür verstehe ich schon relativ viel Spanisch, was auch damit zu tun hat dass meine neue Mutter bewusst langsam, deutlich und einfach sich mit mir unterhält. Zudem besitzt die Familie zwei Hunde. Mit Pequeña habe ich mich schon gut angefreundet. Erinnert mich etwas an unser Haustier Gizmo in Südafrika. Mit der Familie bin ich wirklich an eine gute Adresse gekommen.

Am ersten Abend erhielt ich schon ein Telefon von Padre Armando (meine Bezugsperson während dem Sozialeinsatz), der sich nach meiner Ankunft erkundigt.

An den ersten Tagen habe ich wieder mal richtig Ferien gemacht. Nebenbei noch kurz die Sprachschule organisiert und mir die Stadt zeigen lassen.

Santiago kommt mir als erster Eindruck sehr europäisch vor. Auch die Leute wirken relativ untypisch für Chile. Hektisch ist die Stadt schon etwas und das Busfahren gewöhnungsbedürftig. Inzwischen habe ich mich aber schon sehr gut eingelebt. Kenne mich auch immer besser aus und habe das Busfahren durchschaut.

In der Sprachschule bin ich in der ersten Woche in eine schwache Gruppe eingeteilt worden. Da ich ja bereits in der Schweiz Spanisch gelernt habe, geht es mir im Moment zu langsam vorwärts. In der zweiten Schulwoche gefällt es mir in punkto Spanischlernen besser. Dafür wird wie befürchtet in der Klasse weniger gelacht. In der Schule sind relativ viele Deutsche und Brasilianer. Seit dieser Woche bin ich auch nicht mehr der einzige Schweizer.

Mit meinem Spanischlehrer habe ich mich zudem gut angefreundet. Gehe wochenends mit ihm und seinen amigos in den Ausgang. Das Problem ist nur, dass ich 30min. (Buszeit) vom Zentrum wegwohne und ich abends nicht mehr so gut nach Hause komme.

Ich traf bereits Marietta MaZlerin (Missionarin auf Zeit), die in Santiago ihren Einsatz leistet. Zudem verabredete ich mich mit meiner Cousine Claudia und ihrem Freund Michael, die in Arica ihr Praktikum beendeten und jetzt bereits wieder in der Schweiz sind, um mit ihrem Studium fortzufahren. Padre Armando war diesen Sonntag noch mich besuchen. Somit habe ich gestern noch andere Steyler Brüder kennengelernt.

2. Bericht vom 20. Dezember 2005

Mir geht es weiterhin sehr gut hier in Chile. Ich fühle mich schon gut integriert und die Sprache beherrsche ich auch schon besser.

Das Gitarrenspielen habe ich so vermisst, dass ich mir bereits in Santiago de Chile ein billiges, aber toll klingendes Exemplar gekauft habe. Würde ich noch besser spielen, klänge die Gitarre auch noch schöner. Habe jedoch schon durch Selbststudium Fortschritte gemacht. Als Strassenmusikant kann ich mich aber noch nicht verkaufen.

Während den zwei Monaten Stadtleben habe ich lediglich zweimal Santiago verlassen. Einmal gings nach Siete Tazas, wo ich mit einer kleinen Gruppe die Natur pur erleben durfte, Wasserfälle besichtigte, Spinnen und andere Insekten entdeckte, campierte. War schön mal etwas Abstand zu gewinnen von den Betonwänden und Abgasen. Glücklicherweise bin ich im Frühling (Oktober bis Dezember) in der Hauptstadt, wo es angenehmer ist. Im Winter soll es beinahe unerträglich sein, da eine richtige Abgaswolke über der Stadt hängt. Zum zweiten Mal bin ich aus der Stadt mit meiner Gastmutter und ihrer Gruppe entflüchtet. Wir haben uns an einem schönen Platz in der Landschaft niedergelassen, wo idyllische Ruhe herrscht. Ein kleines Schwimmbecken stand zur Verfügung und ich hatte dummerweise die Bekanntschaft mit einem Insekt namens "jaqueta amarillo" gemacht. Ein importiertes Insekt, welches vor wenigen Jahren durch den Obsthandel wahrscheinlich aus Brasilien eingeführt wurde und sich hier mutiert hatte. Zwei Tage lang war mein ganzer Fuss durch einen Stich am Zehen extrem angeschwollenen. Anscheinend eine allergische Reaktion, welche ich aber durch homeopathische Mittel wieder besänftigen konnte.

Es ist schwierig bei 30 Grad Celsius am Tag und vor einem künstlichen Weihnachtsbaum, den ich eines Nachts mit meiner Gastmutter geschmückt habe, Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Wirkt alles so ironisch, vor allem wenn in Einkaufszentern noch künstlicher Schnee für die Dekoration verwendet wird und "Jingle-Bells" oder ähnliches von den Lautsprechern erklingt.

Vor einer Woche waren die Präsidentschaftswahlen. Ein Gesetz schreibt vor, dass 48 Stunden vor den Wahlen kein Alkohol verkauft werden darf. Ebenfalls dürfen keine Diskotheken, Konzerte, Sportanlässe stattfinden. Am Wahlsonntag sind ausnahmsweise auch die Malls (Einkaufszentren) geschlossen. Abstimmen darf nur, wer sich im Abstimmungsregister eingetragen hat. Das sind von über 15 Mio. Einwohner gerade mal 8 Mio. Hat man sich mal eingetragen, sind die Wahlen obligatorisch. Frauen und Männer stimmen an verschiedenen Wahllokalen ab, um unabhängig wählen zu können. Interessant finde ich das Abstimmverhalten der Geschlechter zu vergleichen. Dazu später noch mehr. Da keine der 4 Kandidaten die erforderlichen 50 % erreicht hat, kommt es am 15. Januar zu einer zweiten Wahl.

Kandidaten:
Michele Bachelet (PS); 46% der Stimmen; Sozialistin, wird wenig verändern können, da sie sich als Frau zuerst gegen den Machismus behaupten muss. Zudem sind die Rechten im Parlament übervertreten.
Sebastian Piñera (RN); 25%; Wirtschaftler, unsympathisch, er bestreitet den zweiten Wahlgang gegen M. Bachelet.
Joaquin Lavín (UDI); 23%; Pinochet-Sympathisant, absolut rechts, betreibt unfaire Politik. Wird von den Reichsten unterstützt.
Thomas Hirsch (PH); 5%; Kommunist, Humanist, der Einzige, welcher die wirklichen Probleme anspricht und wagemutig seine Lösungsvorschläge darlegt. Hätte aber einen schweren Stand, da das Land von den globalisierten Unternehmungen, von reichen Leuten und rechten Politikern regiert wird.

Die Frauen hätten es in der Hand wahlentscheidend zu agieren. Doch viele wählen ebenfalls den Macho Lavín, der versucht die arme Bevölkerung durch eine plumpe Kollegialitätskampagne (Sein Wahlspruch in den armen Vierteln: "Trinken wir einen Kaffee, seien wir Kollegen und wählt mich")
Zudem: Ich lebe anscheinend im reichsten Viertel von Santiago "Las Condes". Pinochet hat in der Nähe Hausarrest. Gewählt wird rechts, Abfall wird hier am meisten produziert, der anschliessend in dem Armenvierteln deponiert wird.

Ich habe meine Mission aufgenommen. Das Buch "Das Imperium der Schande" von Jean Ziegler hat mir die Fakten gebracht, die ich oft nur erahnen kann. Die Aufteilung und Kluft von der Ersten bis zur Vierten Welt ist rein künstlich und wirtschaftlich. Man hat ein System geschaffen um Abhängigkeit und Ungerechtigkeit walten zu lassen. Die UNO mit ihren Tochterorganisationen Weltbank und IWF nimmt ebenfalls teil an dieser Missgunst. Kein Wunder, übt doch die USA ihre Macht in der Organisation aus. Die Monopolstellung von US-, EU- und CH-Firmen (z.B. Nestlé und Coca-Cola) gefällt mir gar nicht. Bei diesen Unternehmungen steht nur der Profit im Vordergrund. Unter diesem Stichwort werden tausende Arbeitnehmer unterbezahlt, unter Druck gesetzt, ausgenutzt und auch gemobbt, wenn sich zum Beispiel ein Angestellter in einer Gewerkschaftsgruppe organisiert. Die Firmen bezahlen oft keine Steuern im verschuldeten Produktionsland.

Die Liste der Schandtaten ist sehr lange und traurig. Viele Konsumenten unterstützen und akzeptieren stillschweigend die Misswirtschaft mit ihrem Kauf dieser Produkte.

Ein weiteres Beispiel:
Im Jahr werden 780 Mia. Dollar (Tendenz steigend) für das Militär ausgegeben. 19 Mia. Dollar (Tendenz sinkend) stellt man zur Bekämpfung von Hunger und Armut zur Verfügung. Klar, dass die USA in der Statistik an der Spitze stehen. Doch auch die Schweiz segnet ein milliardenteures Rüstungsprogramm ab. Damit die überverschuldeten Ländern einen Kredit der Weltbank erhalten, müssen sie im Interesse der Industriestaaten ihre Wasserquellen und staatliche Firmen privatisieren. Also an die reichen Länder verkaufen.

Weshalb wird aber das Militär nicht privatisiert? Bei diesen Ausgaben wäre die Institution gleich pleite (bankrott). Mit einem Bruchteil dieser Ausgaben könnten wir die meisten Leiden auf der Erde bewältigen.

Mitschuldig macht sich also jeder, der Militärdienst leistet oder in Rüstungsbetrieben arbeitet. Wir leben im 21. Jahrhundert. Doch der wirkliche Wille für die Schaffung des Friedens scheint zu fehlen.

Nach dem politischen Statement erfährt ihr hier noch mehr über mein vorausschauende Zeit in CHILE:
Ich besuche noch eine Woche die Sprachschule in Santiago. Anschliessend feiere ich mit meiner Gastfamilie und ihren Verwandten Weihnachten. Am 26.12. nehme ich eine 27-stündige Busfahrt auf mich, um im Norden Chiles in der Stadt Arica ein paar meiner MaZ'ler-Freunde (MaZ=Missionare auf Zeit) zu treffen und gemeinsam Neujahr zu feiern.

Im Januar werde ich anschliessend definitiv in den Süden fahren. Darf wieder ein tolles Umfeld aufbauen und eine neue Gegend kennenlernen. Ich freue mich auf die Herausforderung und Arbeit im kommenden Jahr. Im Moment ist nicht sicher, ob ich nun in Puerto Varas oder Osorno arbeiten werde. Padre Armando hat nach einer Alternative gesucht, da in Pto Varas neu nur noch Mädchen wohnen. Die Entscheidung liegt aber am Ende bei mir. Werde somit beide Heime zuerst besichtigen gehen und mich in Ruhe entscheiden. Da ich ja nun nicht im Ausland Zivildienst leisten darf, bin ich auch relativ flexibel, was Arbeitsbeginn und Arbeitsort anbelangt.

Das relativ lange Mail geht hier zu Ende. Aber du hast jetzt auch einen Monat Zeit um alles in Ruhe zu lesen, bis der nächste Reisebericht verschickt wird.

Ich wünsche dir eine ruhige, stressfreie, besinnliche und schöne Weihnachtszeit. Einen guten Rutsch ins neue Jahr und dass du deine Vorsätze halten magst ;-)

3. Bericht vom 15. Januar 2006

Neujahr habe ich am Strand des Pazifiks gefeiert. Eine Woche haben wir (die anderen sind Voluntäre in Bolivien) auf dem Sandstrand in Arica (Nordchile) gezeltet. An unserem Lagerfeuer spielten wir Gitarre, sangen, diskutierten und lauschten dem Meer zu. Eine wunderschöne Stimmung. Am 1. Tag fand ich keinen Schatten und so verbrannte ich mich in der kräftigen Sonne. Je weiter man in den Süden vordringt, deste grösser ist das Ozonloch. Im Meer hatte es viele Quallen, nur ein kleiner Teil war fast Quallenfrei, wo man ins Wasser gehen konnte. Schwimmen konnte man aber leider nicht, wegen den Wellen und der starken Strömung. Der Strand wurde nie gereinigt. Somit passierte ich nebst hunderten von toten Quallen auch einer leblosen Robbe und einem toten Vogel.

Nach einer 28-stündigen Busfahrt kehrte ich nach Santiago zurück. Nun musste ich mich langsam definitiv vom gewohnten Heim und den Freunden verabschieden. Eine kleine Exkursion in die Berge (Gletscher) unternahm ich noch. Die Verbrennung von Arica zeigte sich nun deutlich. Die äusserste Schicht der Haut löste sich langsam ab und ich verlor Schichtweise meinen schönen braunen Teint.

Inzwischen bin ich in Puerto Varas angekommen. Ich wurde von Regenwetter, kälteren Temperaturen und einer schweizerischen Landschaft begrüsst. Alles in allem kann man das aber eher mit Irland vergleichen. Ich habe noch einen kleinen Abstecher auf die Insel Chiloé (Ancud) gemacht, wo eine deutsche Kollegin im Hostal "nuevo mundo" das von einem Schweizer geführt wird, arbeitet. Ich durfte gleich an einer Vernissage einer Malerin teilnehmen. Vielleicht komme ich bereits mit Foto in der Lokalzeitung.

In Puerto Varas besuchte ich ein Heim, wo die Jüngsten zu Hause sind. Von den Kleinen wurde man gleich mit Küsschen überhäuft. Ebenfalls waren wir im Kinderheim, welches für meinen Einsatz vorgesehen war. Es wohnen aber nur noch Mädchen im Heim und anscheinend steht kein Raum für meine Unterkunft zur Verfügung. Somit werde ich nun in Osorno in einem Knabenheim meinen Einsatz leisten. Am Montag beginnt nun meine Arbeit. Gleich zu Beginn fahren wir in ein Sommerlager. (!Die Postanschrift auf meiner verteilten Postkarte ist also nicht korrekt!). Die nächsten zwei Wochen werde ich kaum Internetzugriff haben. Somit kann ich nicht gleich auf Mails antworten.

In der Hoffnung, dass am heutigen Wahltag Michele Bachelet die Wahl zur Präsidentin in Chile gewinnt, beende ich meinen Reisebericht.

Leider kann ich dir nicht mehr so heisse Sonnenstrahlen schicken, dafür sende ich dir umso herzlichere Grüsse.

4. Bericht vom 25. Februar 2006

Meine Arbeit habe ich im Januar mit dem Sommerlager in Manteque gut angefangen. Während den zwei Wochen konnte ich die Jungs besser kennenlernen. Es war eine entspannte und angenehme Atmosphäre. Jeden Tag konnten wir im wunderschönen See Puyehue baden, nur die Bremsen (diese Insekten gibts leider auch in Chile) konnten einen ziemlich nerven. Mit täglichen Sportaktivitäten und Spielen haben wir den Tag gestaltet und die Gruppen "Los Dragones", "Los Gatos" und "Los Raptors" haben um Punkte gekämpft, damit sie am Ende als Gewinner dastehen.

Die Kinder hören am liebsten Reggeaton und Hip-Hop. Dennoch bin ich durch mein Gitarrenspiel auf Interesse gestossen. Immer sass ein Knabe in der Nähe und hörte meinem hauptsächlich englischen Gesang zu. Mit "We don't need no education" von Pink Floyd habe ich wegen der Übersetzung ins Schwarze getroffen. Es wurde immer wieder gewünscht. Im Moment lerne ich fleissig chilenische Lieder von Musikanten, welche sich gegen das Pinochet-Regime gewehrt haben.

Meine Mitarbeiter durfte ich ebenfalls persönlich kennenlernen. Da ich anscheinend schon gut Spanisch sprach, konnte ich mich sehr schnell in der Gruppe einleben und mich auch gegen die Gringo-Witze wehren ;-). Bis spät in die Nacht sassen wir "tíos" (So werden alle Leute genannt, die mit Kindern arbeiten) zusammen, lauschten latinoamerikanischer und auch 60's, 70's-Musik zu, diskutierten, lachten, dranken und assen. Von der Theorie in die Praxis einzusteigen ist aber oft nicht so einfach. Der Chilenismo, welcher sich doch stark vom Castellano unterscheidet, erschwert das Verständnis. Doch auch diese Hürde habe ich schon langsam bewältigt und lerne jeden Tag neues.

Jetzt wohne ich im Heim "Los tilos" in Osorno und lebe mit den Kindern zusammen. Bis kommenden Dienstag ist es aber noch relativ ruhig hier und unsere Arbeit wird erst ab Schulbeginn einen organisierten Rhytmus erlangen. Nur gerade 7 von 25 Kindern wohnen zur Zeit da; die andern besuchen ihre Eltern und Verwandten. Vormittags steht Schwimmkurs (im Schwimmbecken der chilenischen Armee) auf dem Programm. Nachmittags wird meistens Fernseh geschaut. Manchmal führen wird auch auch eine kleine Aktivität (Instandstellung der Infrastruktur, Museumsbesuch usw.) durch. Wir haben einen Nachtwächter mit dem ich mich ebenfalls oft noch unterhalten. Mein Rhytmus ist somit wieder vermehrt auf Nachtaktivität eingestellt, dafür komme ich morgens nicht mehr so gut aus den Federn.

Ich habe schon dreimal die Insel Chiloé (Ancud) besucht. Die Insel erinnert mich durch das Klima, die Mythologie und ihre Musik an Irland. Eine deutsche Kollegin arbeitete im Hostal eines Schweizers. Durch sie habe ich einige liebe Leute in Ancud kennengelernt. Ich bin gleich als Besucher einer Bilderexposition in der Lokalzeitung unter der Rubrik "La vida social" mit Foto erschienen. Bin schon lange kein Fremder mehr da. Nur mein Akzent verrät mich noch als Ausländer. Deshalb stosse ich auch bei den Chilenen (oder Chileninnen ;-) auf grösseres Interesse. Nach Privatfiestas usw. kehre ich jedesmal todmüde von Ancud um.

Die Reise nach Peru werde ich definitiv nicht unternehmen. Einerseits schade, weil ich sehr gerne der Hochzeit eines ehemaligen MaZ'lers beigewohnt hätte. Andererseits will ich ab anfangs März meine Arbeit mit den Jungs vollständig aufnehmen. Eine längere Reise würde mich schon zu Beginn wieder aus dem Konzept bringen, was ich nicht als förderlich erachte. Mit dem Flugzeug will ich sowieso nicht reisen und mit dem Bus würde ich für die Hinfahrt nach Lima bereits 48-Stunden benötigen. Somit müsste ich Ferien von zwei Wochen beantragen. Weil ich nur ein 6-monatiges Aufenthaltsvisum von den Chilenen erhalten habe, muss ich dennoch Mitte März kurz nach Bariloche (Argentinien) reisen, um zu einem weiteren Kurzvisum zu kommen. Somit lebe ich also schon bald ein halbes Jahr von der Schweiz weitweg und dennoch ist sie so nah (überall Präsenz von Nestlé, Novartis, Auslandschweizern usw.)

In Osorno leben 115'000 Einwohnern. Alle sagen mir, dass ich in einer wüsten Stadt lebe. Mir gefällts hier recht gut. Korrekt ist aber, dass es relativ ruhig ist. Weniger Nachtleben, da die Osorner hauptsächlich in Valdivia oder Puerto Montt die Nacht unsicher machen. Das Angebot an Events ist auch kleiner. Spontan habe ich vor 2 Wochen an einem 5 km-Lauf im Stadtzentrum teilgenommen. Habe noch keine gute Informationsquelle gefunden, um mich über die Aktivitäten zu informieren und Zeitungen haben wir im Heim auch keine abonniert. Die schönsten Monate (Januar und Februar) sind bald vorbei, bald wird es winterlich werden und das Wetter wird sehr regnerisch und auch kälter sein.

5. Bericht vom 29. März 2006

An meinem Geburtstag wurde eine absolut sympathische Feier mit Vegi-Pizza für mich organisiert. Nach feuchtfröhlicher Feier und Tanz begab ich mich auf den Heimweg. Da ich rennend und springend den Schweizerplatz - die Schweiz lässt mich nie in Ruhe - überquert hatte, verstauchte ich mir den Fuss. Der Gang zum Arzt wird hier leichtgläubig empfohlen. Bis jetzt habe ich aber mit Tee und Natursalben alles gut überstanden.

Vor zwei Wochen war ich gesundheitlich etwas angeschlagen. Brauchte viel Schlaf und trank Tee um die Heiserkeit und Fiebersymptome zu bekämpfen. Nachmittags arbeitete ich aber dennoch. Die Schwächung schlug auf mein Gemüt, womit ich mich schneller angegriffen fühlte und erkundete mehr Mühe mit dem Castellano. Ein paar Konversationen mit meinem Chef nervten mich, der fragte: Ob ich Kommunist sei *blablabla* und das ständige Geschwaffel bez. Vegetarismus und ich scheine ja viel krank zu sein. Kein Wunder wenn der Wind durch mein Zimmer weht, es somit relativ kühl ist und die 4 Wolldecken nur etwas warm geben. ,,Sorge dich nicht", meinte mein Chef, ,,es wird wettermässig nur noch schlimmer und kühler..." Die ewige Ironie der Chilenen. Zur Zeit bin ich nun wohlauf, habe die Energie wieder gefunden und bin zufrieden. Das Wetter: Momentan haben wir Halbtag Regen, Halbtag Sonne und es ist kühl.

Vergangene Woche musste ich mich um die Verlängerung des Visas bemühen, da mir in Bern nur ein 6-monatiges Visum ausgestellt wurde. Durch fehlende Informationen habe ich bei der Einreise in Santiago die chilenische Identitätskarte nicht beantragt, die nebst Visum Pflicht ist. Ohne ID wird mein Visum aber nicht verlängert. Somit weilte ich mehr als drei Stunden in der Investigación (Ermittlungsbüro), während ich offiziell registriert wurde, inkl. Schreiben meines unwissenden Fehlers bei der Einreise durch einen Detektiv. Die Beamten waren aber sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Während drei Tagen rannte ich aber dennoch von Pontius zu Pilatus, um alle nötigen Unterlagen und Ausweise zu beschaffen. Glücklicherweise konnte ich aber alles in Osorno regeln, wo die Büros nur 20 Minuten zu Fuss entfernt sind und musste nicht nach Santiago reisen.

Um 13 Uhr hole ich den Kleinsten - Joaquín ist sechs Jahre alt - von der Schule ab. Ansonsten arbeite ich nun stets zwischen 14 und 23 Uhr an sechs Tagen. Sonntags nehme ich mir frei. Am Nachmittag helfe ich vor allem bei den Hausaufgaben. Gelegentlich muss ich nun meine Mitarbeiter vollständig im Heim vertreten, da sie an die Schulinformationsabenden gehen müssen. Nach dem Abendessen unterrichte ich die Jungs - in kleine Gruppen aufgeteilt - in Informatik, Gitarre und Englisch. Das Unterrichten ist nicht immer so einfach, da die Konzentration der Jungs zum Teil etwas fehlt. Das Interesse ist aber stets vorhanden.

Nachdem Chile vor zwei Wochen auf Winterzeit und Europa soeben auf Sommerzeit gewechselt hat, verändert sich die Zeitdifferenz von 4 auf 6 Stunden: Chile 13 Uhr -> Schweiz 19 Uhr Erstaunlicherweise komme ich auch in Chile noch zu spät. Konzerte und Veranstaltungen beginnen pünktlich.

An Abenden nehmen wir mit den Kindern manchmal an Veranstaltungen in Osorno teil. Wir gingen bereits einen Basketball-Match schauen, an ein Kozert der 15-jährigen Chilenin Maria Jose Quintanilla, die hauptsächliche mexikanische Romanzenlieder singt und anscheinend sehr bekannt ist. Gestern waren wir im Zirkus.

Ich wünsche dir eine schöne Zeit und gute Gesundheit.

Miguel

P.S.: Vielen Dank für alle Geburtstagsgrüsse und -wünsche.

6. Bericht

6. Bericht vom 18. Juni 2006

Ich habe Fotos meines Sozialeinsatzes und den chilenischen Erlebnissen ins Internet gestellt. Unter http://mrplanet82.bebo.com sind die Fotos zu sehen. Laufend wird die Seite mit neuen Fotos ergänzt. Da der Dienst Englisch ist, habe ich die Kommentare der Sprache angepasst. Für einen Kommentar oder sonstigen Beitrag ist es aber egal, welche Sprache dazu verwendet wird.

SEIT meinem letzten Reisebericht habe ich so viel erlebt, das ich mich bemühen muss, mich kurz zu fassen.

Geburtstag des Knabenheims ,,Los tilos"

Die Vorbereitung für die Geburtstagsfeier ,,18 Jahre Heim Los Tilos" war anstrengend und aufwändig. Deshalb strich ich alle ,,tallers", um vollwertigen Einsatz leisten zu können. Fur die Dekoration und unsere Bastelarbeiten habe ich mittels Spendenkonto Material eingekauft. Tio Luis und ich stellten mit ein paar Jungs 26 Lichtständer zusammen. Mit Hand, Friedenstaube und Foto eines Knaben symbolisierten wir die im Heim lebenden Kinder.
Weiter kauften wir Farbe ein, womit der älteste Junge Miguel Angel absolut schöne Bilder gemalt hat, die als Bühnenkulisse verwendet wurden.
In der Woche des Geburtstagsaktes (nach Ostermontag) organisierten wir jeden Abend eine Aktivität für die Jungs von Flipperlandia (Videospiele), über Besuch bei der Redaktion der Zeitung ,,Díario Austral" bis zum Kinoabend.
Am Samstag, der offiziellen Geburtstagsfeier mit eingeladeten Gästen, gestaltete ein Musiklehrer mit ein paar Knaben des Heims und mir den musikalischen Beitrag des Festaktes. Mit den Jungs führten wir das Lied ,,RUN, RUN" von Violeta Para auf, welches von ihrem Liebeskummer erzählt, da ihr Geliebter, ein Schweizer Musiker, in den Norden und von Chile, sowie von Violeta Para wegzieht.
Im zweiten Akt spielte ich mit Klarinette und Gitarrenbegleitung zwei Klezmerstücke (jüdische Volksmusik). Die Anwesenden waren sehr überrascht durch die eher unbekannte, rhytmische Musik und begeistert. Eine Zuhörerin bedankte sich, dass ich ihre Musik gespielt hatte, da ihre Familie jüdische Wurzeln hat.

Mein neues zu Hause

Ich fühle mich inzwischen sehr wohl und gut aufgehoben. Mein Zimmer habe ich schon länger gewechselt und lebe nun mit der Familie meines Chefs zusammen. Der ältere Sohn ist mit seiner deutschen Freundin, eine ehemalige Freiwillige des Heimes, nach Deutschland geflogen. Ob er wieder zurückkehrt ist noch offen.

Chilenische Hochzeit

Ein Mitarbeiter, Psychologe, hat im Mai geheiratet. Ich wollte die Gelegenheit nicht entgehen, um eine chilenische Hochzeit zu erleben und bin der Einladung gerne entgegengekommen. Es war ein kühler Abend - wobei ich mich etwas erkältet hatte - doch die Zeremonie konnte mich nicht erwärmen. Die Hochzeit erlebte ich relativ amerikanisch, wie in den Hollywood-Filmen, unpersönlich und langweilig.

Streik in chilenischer Schulen

Im Moment wird im chilenischen Parlament eine neue Bildungsreform diskutiert. Beinahe drei Woche streikten die Schüler und Studenten der Staatsschulen (Oberstufe und Universitäten) und kämpften für eine bessere Bildungsqualität und vor allem günstigere und gerechtere Schulgelder, damit arme Menschen einer Schulbildung nicht die Tür verschlossen bleibt. In der Hauptstadt Santiago wurde heftig demonstriert, leider auch mit Gewalt, die durch Gegengewalt und Tränengas der Polizei erwidert wurde.

Aktivitäten

Die ersten Tage in den Winterferien werden wir eine Olympiade mit anderen Kinderheimen durchführen. Wie in der Geburtstagswoche des Heimes, bringt auch dieser Anlass sehr viel Aufwand mit. Ich begleite die Kinder zum wöchentlichen Babyfútbal-Training (Hallenfussball mit etwas abgeänderten Regeln) und zum Basketball. Ich nehme an den Trainings gleich selbst teil, um mich sportlich fit zu halten. Die dritte Disziplin ,,Ping-Pong" wird im eigenen Sportraum des Heimes fast täglich gespielt. Um das kaputte Material zu ersetzen, habe ich neue Ping-Pong Schläger und Bälle gekauft.
Ich fühle mich gut integriert und habe auch ein angenehmes soziales Umfeld aufgebaut. Durch meine Arbeit komme ich mit vielen Leuten zusammen, die soziale Ausbildung anstreben. Durch eine Studentin, die einem Jungen bei der Hausaufgabe hilft, bin ich auf ihre gothische Band aufmerksam geworden, in der ich nun ab und zu probe... Zudem habe ich die Möglichkeit mit Klarinette in einer Gruppe mitzuspielen, welche Volksmusik aus Argentinien, Chile und anderen südamerikanischen Ländern spielt.

Ausdehnung meiner Arbeitszeit

In vorletzter Woche habe ich sehr viel gearbeitet. Da mein Chef für ein paar Tage nach Santiago musste und der Nachtwächter ausfiel, da er erkrankte, vertritt ich etwas ihre Arbeitszeiten. Im Moment fühle ich mich deshalb etwas müde und müsste mich mal richtig erholen können. Deshalb freue ich mich auf die zwei Wochen Wintersferien (Mitte Juli), in der meine Eltern mich besuchen kommen und ich mit ihnen durch Chile reisen werde.

VISA-Affäre Chile

Bestochen habe ich niemanden, ausser vielleicht mit meinem Charme. Aber das hat nicht viel genützt. Seit drei Monaten versuche ich die ganze Angelegenheit sauber zu regeln. Endlich habe ich nun mein Visum erhalten und zu guter Letzt die chilenische Identitätskarte beantragt. Oft habe ich dieselben Büros besucht, denselben Ablauf mindestens dreimal vollzogen, bin von Pontius zu Pilatus gerannt und bestimmt hat immer irgend etwas gefehlt. Keine Ahnung, weshalb mir alles immer so schwer gemacht wird.

Nun ich beende hiermit meinen Reisebericht, wünsche euch allen schöne Sommer und sendet mir bitte etwas Wärme...

Gruss

Miguel

7. Bericht

7. Bericht vom 6. September 2006

Olympiade Fundacion Verbo Divino (Steyler Missionare)

Mitte bis Ende Juli waren Winter-Schulferien in Chile. In den ersten Tagen fand die Olympiade der Heime der Fundación Verbo Divino (Steyler Missionare) statt. In Osorno nahmen nebst unserem Heim als Organisatoren, Heime aus Santiago, Coronel und Puerto Chico teil. In drei Tagen spielten Knaben und Mädchen in den Disziplinen Fussball, Basketball und Tischtennis um die besten Ränge, und um den grössten Pokal heimtragen zu können.
Ich war tags als Helfer engagiert und in der Nacht sorgte ich im Häusschen der 10 Knaben aus Puerto Chico für Nachtruhe. Die drei Tage waren anstrengend, da ganztags gearbeitet und geholfen wurde. Das Training unserer Knaben hat sich ausgezeichnet; in allen Knaben-Disziplinen haben unsere Jungs den 1. Rang erspielt.
Nach dem Abschiedsessen der Olympiade beförderte ich mein Gepäck zum Busterminal und fuhr in 12 Stunden nach Santiago und erhielt somit meine ersten und letzten zweiwöchigen Ferien im Jahr 2006.

Ferien mit Eltern

In Santiago erwarteten mich am Folgetag meine leiblichen Eltern. Wir wohnten gemeinsam bei meiner chilenischen Gasteltern. Meine Gäste aus der Schweiz mussten sich zuerst anklimatisieren. Von 30 Grad in der Schweiz zu 15 Grad chilenischem Winter war das doch eine grosse Umstellung. Mit dem Wetter hatten wir aber Glück. Es regnete in den zwei Wochen ausnahmsweise wenig.
Von Santiago aus fuhren wir in den Norden bis nach ,,La Serena" und anschliessend in den Süden nach Temuco, Osorno, Puerto Varas, Chiloé-Insel und die dortigen zwei Städte Ancud und Castro und zurück nach Puerto Montt. Den zuerst etwas vollgepackten Reiseplan habe ich drastisch gekürzt, um kein Wettrennen in Chile zu veranstalten und so erlebten wir eine angenehme, eindrückliche Reise. Ich als Guide, Übersetzer und Sohn konnte mich zwar wenig erholen. Dennoch genoss ich, den Eltern meine neue Heimat zu zeigen und ihnen eine andere Sprache, neue Kultur, einfacheres Leben näherzubringen.

Spendenkonto

Mittels Spendenkonto habe ich ein Büchergestell für die heimeigene Bibliothek, welche ich das Bücherverzeichnis betreue und ein Gestell für die Pokale finanziert. Ein weitere Unterstützungsmöglichkeit ist, noch ein Regendach im Freien zu erstellen, damit die Kinder ohne Nass zu werden vom Gymnasium ins Heim gehen können.

Kinderheim und Zukunftsgedanken

Hier in Osorno im Kinderheim geht alles wie gewohnt zu und her. Bin froh endlich die Sprache besser zu beherrschen und so ergeben sich absolut eindrückliche, persönliche Unterhaltungen mit den Jungs. Es bleiben mir leider nur noch vier Monate Sozialeinsatz. Aber ich freue mich auch auf den Wechsel, da ich durch die Abendschicht, sprich meine Arbeitszeit kaum Freizeitaktivitäten pflegen kann, und es schwer ist ausserhalb des Heimes den Sozialkontakt zu pflegen. Ich gebe also zu, dass mir im Moment doch etwas fehlt.
In der Schweiz habe ich inzwischen eine Strafe erhalten, weil ich dieses Jahr keinen Zivildiensteinsatz leiste. Wie weltfremd mir unser Schweizer System oft vorkommt. Ist ja nicht mein Verschulden, dass mein Auslandeinsatz nicht als Zivildienst anerkannt wurde.
So träume ich davon, nach meinem Einsatz und nach der Reise mit einem Schweizer Freund durch Südamerika, noch eine Weile hier in Chile zu bleiben, in einem Hostal bezahlte Arbeit zu finden und werde in der Zeit mal Gedanken über ein allfälliges Studium machen.

Saludos, Beso y abrazo
Miguelito

"Die Welt wird erst Frieden finden, wenn die Macht zur Liebe grösser ist, als die Liebe zur Macht" Jimmy Hendrix

8. Bericht

8. Bericht vom 22. Oktober 2006

Am 20.10.05 - vor einem Jahr - habe ich zum ersten Mal chilenischen Boden betreten. Habe eine neue Sprache erlernt und viele neue Leute kennengelernt. Wie die Zeit auch schnell vergeht: 1 Jahr = 12 Monate = 365 Tage. Für die einen ist es viel Zeit, für andere wenig. Und ich selbst kann das gar nicht abschätzen. Zeit ist und bleibt für mich relativ. Es werden aber noch einige Monate dazukommen. Inzwischen hat Chile auf Sommerzeit gewechselt. Somit haben wir eine Zeitverschiebung von -5 Stunden zur Schweiz: Wenn in Chile 10:30 Uhr ist, hat die Schweiz 15:30 Uhr. Es wird spürbar wärmer und das Wetter freundlicher, was mich freut.

In Chile gibt es viel kennenzulernen über Kultur, Musik, Politik, Gesellschaft und Geschichte. Dennoch kommt mir der Süden Chiles sehr europäisch, beziehungsweise deutsch vor. Der deutsche Einfluss durch die Einwanderer ist stark präsent. Und wahrscheinlich beeinflusst auch das regenhafte, kältere Klima hier die Leute und so vermisse ich manchmal etwas das Latino-Flair. Ich bin gespannt, wie ich die anderen Latino-Länder bald erleben darf. Als Tourist nimmt man die Länder aber anders wahr, als wenn man sich dort niederlässt. Habe mich erst vor ein paar Tagen endlich mit Mate eingedeckt. Mate ist ein spezielles Gefäss aus Holz, Leder oder Kürbisschale, aus dem mit speziellen Mate-Kräuter wie Tee getrunken wird. Der Brauch ist in Argentinien oder Paraguay mehr verbreitet. Für mich als Tee-Fanatiker ist Mate aber ein absoluter Genuss und ich könnte noch süchtig werden danach. Aber der Mate ist sehr gesund, da er sogar Eisen, Magnesium und Vitamin C enthält.

Kürzlich fand in Osorno ein Seminar zu andinischer Musik statt. Ich durfte das Angebot nicht verpassen und widmete mich eine Woche ganz der Musik. Am Vormittag wurden wir über das Charrango unterrichtet und am Nachmittag übte ich in einer Gruppe das Gitarrenspiel. Die Teilnehmer waren die meisten Musikstudenten und Musiklehrer. Somit fiel ich mit meinen Basiskenntnissen in Gitarre etwas aus der Reihe. Es war aber absolut spannend, bereichernd und lernreich. Wenn auch eine Woche viel zu kurz ist, um die Latino-Technik in Gitarre wirklich zu beherrschen. Jeden Abend fanden Konzerte statt und so ging ich mit Begleitung ein paar Jungs des Heims an die Anlässe. Bekannte Musiker aus Bolivien, Peru, Argentinien und Chile waren anwesend. Am Freitag fand als Höhepunkt ein Konzert der links-politischen Musikgruppe Inti-Illimani statt, die während der Pinochet-Ära im Exil leben mussten. Ich habe ein paar Videos vom Seminar auf meine Foto-Homepage http://mrplanet82.bebo.com geladen. Das Inti-Illimani Konzert findet ihr auf der Hauptseite. Weitere Videos sind unter Favoriten anzusehen. Fotos des Seminars werden später hinzugefügt.

Am letzen Wochenende reiste ich ganz spontan nach Bariloche, wo mein Schweizer Freund Christof spanisch (also eigentlich argentinisch) lernt. Es war köstlich den argentinischen Akzent zu erleben und ich stellte mich bei ihnen als Chilene vor. Was aber weniger clever ist, da Chile und Argentinien sich politisch immer wieder in den Haaren liegen. Als Schweizer-Chilene wurde ich schliesslich aber sehr gut integriert. Es war ein super Wochenende. Ich freue mich jetzt schon auf unsere gemeinsame Reise.

Am vergangenen Samstag ging ich und das erste Mal in Chile ging ich auf die Skis. Hatte französische Rossignol-Carvingskis gemietet. Bin auf Schweizer Sesselbahnen hochgefahren. Und auf chilenischem Schnee, der auf Lavagestein liegt, wieder hinuntergeschossen. Weiss jemand, welches Skigebiet die Abkürzung WSO hat? Dann wüssten wir, aus welchem Winkel der Schweiz die Sessellifte stammen. Hier Skifahren zugehen, können sich wirklich nur reichere leisten; da der Preis beinahe auf Schweizer Niveau zu stehen kommt.

Hiermit beende ich meinen Jubiläums-Erlebnisbericht und freue mich auf deine Reaktion, Kontakte, Mitteilung.

Liebe Grüsse
Miguel

http://www.StatCounter.com/