Gedanken aus armen Ländern

Was denken Personen aus der 3. Welt?

Reisen ist interessant, öffnet den Horizont und das Weltverstehen, kann aber auch provozieren oder überfordern.

Die Welt wird hauptsächlich von weissen Männern beherrscht. Durch die Globalisierung hat der Druck auf Dritt-Weltländer zugenommen und die Kluft zwischen arm und reich wird weiter vorangetrieben. Als Konsument sind wir mitschuldig, wenn wir Produkte erwerben, die als Kinderarbeit oder von sonst schlecht bezahlter, unsozialer, gesundheitsverachtender Arbeit hergestellt werden.

"Wer das Böse ohne Widerspruch hinnimmt, arbeitet in Wirklichkeit mit ihm zusammen." Martin Luther King (1929-1968)

Kurze Übersicht:

Gedanken von Tupa Miri, genannt Simeon Delgado, von den Ava Guarani aus Akaraymi in Paraguay

Dieser Text wurde mir von einem Geistlichen der Steyler Missionare überreicht. Er arbeitete viele Jahre mit Einheimischen aus Paraguay zusammen. In jenem Projekt soll die Tradition und ihr religiöser Glauben neben der katholischen Kirche einen gleichen Wert erhalten und gelebt werden dürfen.

Es gibt viele Nationen auf der Erde. Jede hat ihre eigene Art zu leben. Wir vom Volk Guarani haben uns entschieden, auf einfache und unscheinbare Art zu leben. Warum lasst ihr uns nicht so leben, wie wir möchten? Warum mischt ihr euch in unser Leben ein und zwingt uns das zu machen, was wir gar nicht machen möchten? Wir möchten, dass ihr den weissen Menschen erklärt und mitteilt, dass wir, das Volk der Guarani, uns entschieden haben, arm zu leben.

Wir leben in Harmonie mit dem Urwald und der Natur. Durch sie gibt uns Nanderuvusu, unser grosser Vater, alles, was wir zum Leben brauchen. Er hat uns gezeigt, wie wir der Natur begegnen sollen, um sie nicht zu zerstören, damit die Bäume und die Tiere, die uns unsern Lebensunterhalt geben, nicht böse werden, sondern sich vermehren und uns Nahrung schenken, die wir mit Respekt dankbar entgegennehmen.

Doch dann kamt ihr, die Weissen, die ihr viel zu schlau seid, zu intelligent und zu stolz auf das, was ihr könnt. Und trotzdem merkt ihr nicht, dass der Mensch, dass alle Menschen, ob Indios oder Weisse, Nichtswisser sind, wenn sie nicht das machen, was Nanderuvusu will, der die ganze Welt in seinen Händen hält. Ihr kamt und habt uns übers Ohr gehauen und es ist uns noch immer nicht klar, warum. Und es fällt uns schwer, die Lebensweise von euch Weissen zu verstehen. Deshalb bitten wir euch, ihr wenigen Weissen, die uns überhaupt zuhören und unsere Freunde sind, mit uns Geduld zu haben.

Ihr müsst verstehen, dass es unsere Aufgabe ist, für die ganze Welt zu beten. Wir müssen für das Wohlbefinden der Welt beten. Früher, als die Weissen noch nicht auf diesen Kontinent gekommen waren, hatten wir ebenfalls Feinde. Wir haben Kriege geführt, um unser Land zu verteidigen, denn wir hatten unsere Gegner. Doch alle wussten, was in Kriegszeiten vor sich ging. Heute sind wir nicht in der Kriegszeit, denn wir kämpfen nicht gegen euch. Doch wir begreifen nicht, was geschieht. Wir sind ganz durcheinander. Wir sehen keinen Weg mehr. Und vor allem können wir nicht verstehen, wieso ihr, die ihr Wunder wirken könnt und von euch glaubt, so intelligent zu sein, nicht merkt, dass ihr euch selber auch zerstört, wenn ihr uns zerstört.

Uns würde es gefallen, unser ursprüngliches Leben weiterführen und unser Brauchtum am Leben behalten zu können. Doch das, was ihr Zivilisation nennt, ist bereits mitten unter uns und es wird schwer sein, wieder so zu leben, wie wir dies einst konnten. Denn unsere Alten sind bereits nicht mehr unter uns. Und für uns Jungen ist es schwer, sehr schwer, denn die Zivilisation, die uns unterdrückt, ist sehr stark und sehr attraktiv. Unsere alte Lebensform geht zu Ende. Es gibt die Schule, das Gymnasium und den Militärdienst, der uns alle ruft, dem zu dienen, was sich Heimat nennt. Jene, die in den Militärdienst gehen, kommen zurück und erzählen, was sie draussen gesehen haben. Sie zeigen den anderen mit Worten und Taten Dinge, die für uns sehr schlecht sind. Unsere Söhne, die einst gut waren und uns mit Respekt begegneten, sind nun schlecht erzogen, sie stehlen und töten. Sie wollen den Kagui, unser religiöses Maisgetränk, nicht mehr trinken. Stattdessen trinken sie Rum, den Zuckerrohrschnaps der Weissen, der uns verdummt und aggressiv macht wie sie.

Nanderuvusu, unser grosser Vater, hat uns erschaffen, damit wir den Urwald bewachen. Deshalb hat er ihn uns gegeben mitsamt dem Honig und allen Tieren. So konnten wir in Harmonie mit der Natur leben. Wir leben, um den Urwald zu bewahren. Wir sind Urwaldmenschen. Gott hat uns weder lesen noch schreiben gelehrt, denn wir müssen unsere Worte nicht auf Papier schreiben. Unser Wort ist wertvoll, weil es Teil unserer Seele ist. Die Weissen, die das nicht wissen, müssen alle ihre Worte auf Papier schreiben, damit man sie ihnen glaubt. Dies bedeutet: ihr Wort hat gar keinen Wert. Wir müssen uns nicht mit unsern Namen rufen. Unser Name ist für uns heilig. Er soll nicht einfach so gesagt werden aus irgendeinem Grund. Doch die Weissen wollen uns mit einem Namen rufen. Deshalb lassen wir uns ihre christlichen Namen geben. Aber diese Namen haben keine Bedeutung. Sie bedeuten so wenig, dass die Weissen ein Dokument benötigen, das die Echtheit des Namens garantiert.

Wir wurden auserlesen, das Gesetz des Urwaldes zu kennen. Unsere Weisheit besteht darin, den Lebenszyklus der Natur zu verstehen und ihn zu beachten. Unsere Weisheit besteht darin, zu wissen, was uns eine Pflanze schenkt, um uns zu ernähren, um uns zu heilen und unsere Schmerzen zu lindern. Unsere Weisheit besteht darin, die Sprache der Vögel zu kennen, die Sprache der Tiere zu verstehen. Sie erzählen uns, was um uns herum geschieht, Dinge, die weit weg von uns geschehen und die wir weder sehen noch hören können. Wir wurden dazu bestimmt, die Gesetze des Urwaldes zu kennen. Unsere Aufgabe ist es, die Welt am Leben zu erhalten. Am Tag, an dem das Volk der Guarani ausstirbt, geht alles zu Ende. Wenn wir ans Ende gelangen, endet die Welt.

Früher lebten wir im Urwald. Wir brauchten kein Geld. Heute aber können wir die Tiere nicht mehr essen, die unser grosser Vater Nanderuvusu uns gab, denn der weisse Mensch schlug den Urwald zu Boden und entzog uns unsere Lebensgrundlage. Die Tiere flohen an Orte, wo es vielleicht noch Urwald gibt. Die Weissen fühlen sich sehr wichtig, sind stolz und gebildet. Doch mit ihnen kamen die Trockenheiten, Überschwemmungen und Winde. Wir bekleideten uns mit den Federn des Urwaldes, der uns Nahrung gab und unsere Krankheiten heilte. Die Weissen sind so dumm, dass sie von der Macht ihres Wissens überzeugt sind. Sie haben vergessen, dass der Mensch, jeder Mensch, unwissend ist. Sie änderten die Lebensbedingungen und fühlten sich wie Götter. Doch jetzt wissen auch sie nicht mehr was sie tun sollen. Durch ihre Zerstörung des Urwaldes hörte es auf zu regnen. Ihre Gifte töten alle Fische, sodass wir in den wenigen Flüssen, die uns noch geblieben sind, nicht mehr fischen können. Der grosse Vater Nanderuvusu hat ihnen eine Strafe für ihre Überheblichkeit geschickt. Doch leider erreicht auch uns diese Strafe, denn wir lebten im Urwald, den uns die Weissen genommen haben.

Wer ist ein Farbiger (coloured people)?

Aus dem Reisemagazin Globetrotter wurden diese Gedanken eines anonymen Afrikaners abgedruckt:

Lieber weisser Bruder,
Bei meiner Geburt war ich schwarz,
als Kind war ich schwarz,
an der Sonne bin ich schwarz,
Wenn ich Angst habe bin ich schwarz...
Wenn ich mich krank fühle bin ich schwarz...
Wenn ich sterbe werde ich schwarz bleiben...

Und wie ist das bei dir, weisser Bruder?
Bei deiner Geburt warst du rosa,
Als Kind warst du weiss,
An der Sonne wirst du rot,
An der Kälte wirst du blau,
Wenn du Angst hast wirst du grün...
Wenn du dich krank fühlst wirst du gelb...
Wenn du stirbst wirst du grau...
Und nach all dem nennst du mich "Farbiger"!