Gespräche mit Vegetariern

Meinungsverschiedenheiten sind keine Seltenheit; doch auch Gespräche mit Gleichgesinnten kann sehr interessant sein. Ein paar interessante Gespräche gebe ich hier wieder:

Love is the message (Ziggy Marley)

Ziggy Marley (38) hat über zwei Jahrzehnte mit den Melody Makers sehr erfolgreich Musik gemacht und bereits drei Grammys gewonnen. Zu seinen bekanntesten Liedern gehören: "Tomorrow People", "Tumbling Down" und "People Get Ready". 2003 veröffentlichte er sein erstes Solo-Album "Dragonfly". Für sein im letzten Jahr erschienenes zweites Solo-Album "Love is My Religion" hat er im Februar Grammy Nummer vier in der Kategorie "Bestes Reggae Album" eingeheimst. Der Sohn von Bob Marley, der wie sein Vater vegetarisch lebt, geht mit seiner Musik eigene Wege und ist inzwischen selbst ein Superstar.

Das Interview führte Guido Barth, aus dem Magazin natürlich vegetarisch;
(Mit bestem Dank an Guido Barth für die Genehmung; der Webmaster)

Guido Barth: Ich habe dir ein kurzes DVD-Video mitgebracht, "Devour the Earth", (Anmerkung der Red.: erhältlich im VEBU-Shop) darin geht es um die Umweltzerstörung als Folge unseres Fleischkonsums. Bei dem Video hat neben Paul McCartney auch Dr. Janez Drnovsek mitgewirkt; er ist Staatspräsident von Slowenien und lebt vegan.

Ziggy Marley: Oh, danke sehr.

Guido Barth: Du schätzt die Vorteile einer vegetarischen Ernährung aus gesundheitlichen Gründen und auch unter dem Aspekt der Ethik. Was steckt für dich dahinter?

Ziggy Marley: Wir sind alle von Gott erschaffen, also sind wir, so möchte ich das mal sagen, wie Brüder und Schwestern. Wir gehören all zu der einen Familie und als solches respektieren wir auch die Tiere.

Guido Barth: Was bedeutet in diesem Zusammenhang für dich die Aussage, "Du bist, was du isst"?

Ziggy Marley: Ich denke, dass unser Körper nicht dafür gedacht ist, dass er mit Blut voll gestopft wird. Es ist besser, wenn wir mehr Obst, Gemüse und solche Sachen essen und Tierprodukte reduzieren - zumal wir das Zeug für ein gutes Leben nicht brauchen.

Guido Barth: Wie wichtig sind für dich dabei ökologische Nahrungsmittel?

Ziggy Marley: Hey Mann, das ist sehr wichtig.

Guido Barth: Warum?

Ziggy Marley: Ich möchte möglichst natürlich leben und die Sachen eher einfach haben. Ohne Grenzen setzen zu wollen, aber der gesunde Menschenverstand sagt einem eigentlich, was die richtige Richtung ist.

Guido Barth: Und das Richtige ist bio?

Ziggy Marley: Ja, genau. Organisch, bio. Ich bin in Jamaika auf einer Farm aufgewachsen und da haben wir schon biologisch angebaut. Meine Mutter, Rita, sie lebt jetzt in Ghana, betreibt eine Farm für biologischen Anbau und wir führen auf den Bahamas das Marley Resort & Spa. Dort verarbeiten wir ausschließlich biologische Nahrungsmittel.

Guido Barth: Bitte, lass uns später noch mal auf das Thema Ernährung zurückkommen, erst mal möchte ich mit dir über dein aktuelles Album, "Love is My Religion", sprechen.

Ziggy Marley: Ja, gerne.

Guido Barth: Du hast diesmal in Los Angeles aufgenommen und nicht wie sonst in Kingston. Außerdem hast du einen weiten Bogen um die großen Musikkonzerne gemacht. Was bedeutet das Album für dich?

Ziggy Marley: Ich war mächtig stolz, besonders weil ich mit dem Album einen Traum verwirklicht habe, den bereits mein Vater hegte, aber den er nicht verwirklichen konnte, weil er so jung gestorben ist. Ich habe dieses Album selber produziert und mir gehören alle Rechte an den Liedern - die ich auch alle geschrieben habe. Ich bin also völlig unabhängig von einem großen Label. Außerdem habe ich viele Instrumente selber gespielt.

Guido Barth: "Love is My Religion", der Titel deines Albums sagt es. Es geht um Liebe.

Ziggy Marley: Yeah, LOVE. Das ist meine Botschaft.

Guido Barth: In dem Video zum Titelsong spielen Hippies eine Hauptrolle und du zitierst auch aus einem Beatlessong aus den 60ern.

Ziggy Marley: "All You Need is Love", yeah (Ziggy lächelt süffisant). THAT'S THE MESSAGE.

Guido Barth: Schaust du dir aber die Welt an, siehst du oft alles andere, nur eben keine Liebe. Was können wir machen?

Ziggy Marley: Da gibt es keine schnellen Rezepte, das umfasst eher das Ganze. Ich kann niemandem sagen, okay, mach das so und so und der Rest klappt dann schon. Du hast ein ganzes Leben und das ganze Leben lang bemühst du dich, dass die Liebe gedeiht und die Welt besser wird. Geben, geben, geben - lebenslang, so funktioniert das.

Guido Barth: Du sprichst In deinen Texten von einer Kultur der Liebe, des Herzens und der Harmonie: Hast du nicht noch eine konkrete Idee, wie das praktisch aussehen kann?

Ziggy Marley: Jeder muss da seinen Weg finden, das ist nicht einfach und jeder muss sich anstrengen. Das fängt damit an, dass dein Geist offen ist. Irgendwann hinterfragst du, was du alles siehst, fragst nach den Werten. Wer hat mir das beigebracht, mit welcher Absicht? So erkennst du Schritt für Schritt, was wirklich wichtig ist. Das ist ein schwieriger Prozess, aber anders geht es nicht. Das heißt nicht, dass alles schlecht ist, aber es kommt halt alles aus ein und demselben System, und genau dieses System, das nicht universell ist, ist für die jetzige Situation verantwortlich. Liebe aber ist universell.

Es geht dabei um das spirituelle, mentale Ringen, nicht um das politische oder soziale. Es geht um den Kampf, den jeder Mensch mit sich selber austragen muss, der Kampf um Liebe. Den Kampf darum, dass sich die Menschen nicht mehr gegenseitig hassen und töten. Und das ist etwas, dass wir in uns selbst finden müssen. Das lässt sich nicht politisch oder sozial lösen, verstehst du?

Guido Barth: Lange Tourneen, selten zu Hause, weit weg von deiner Familie, wie gehst du damit um?

Ziggy Marley: Weißt du, wir finden das, was wir machen sehr wichtig und wir sind überzeugt, dass es auch für sehr viele Menschen wichtig ist. Wir haben eine Botschaft und mit dieser Botschaft hat das alles einen höheren Sinn. Das gibt uns sehr viel Energie und innere Stärke.

Guido Barth: Energie, innere Stärke und auch Spiritualität ... Welche Rolle spielt dabei die Ernährung?

Ziggy Marley: Gute Ernährung ist die Voraussetzung für alles, gerade auch für unsere Spiritualität. Ich formuliere das mal positiv: Je lebendiger unsere Nahrungsmittel sind, desto besser können wir uns spirituell entwickeln. Andersherum, wie ich das vorhin schon gesagt habe: "Unsere Brüder und Schwestern gehören nicht auf den Teller".

Guido Barth: Während einer Tour, wie läuft das da mit der Ernährung?

Ziggy Marley: Unsere Caterer werden sehr genau angewiesen, was wir haben möchten. z.B. ganz banal, dass heißes Essen auch wirklich heiß sein soll und kaltes wirklich kalt. Wir wollen auch immer richtiges Geschirr und auf gar keinen Fall Plastik.

Guido Barth: Was steht noch auf dem so genannten Catering-Trader?

Ziggy Marley: Einiges, etwa dass wir die Lebensmittel in bester Qualität bekommen. Für uns gehört es auch dazu, dass die Menschen, die die Produkte verarbeiten, dass bewusst machen und dahinter stehen. So legen wir auch Wert darauf, dass unsere vegetarischen Mahlzeiten von einem vegetarisch lebenden Koch zubereitet werden. Der hat sozusagen viel kreative Erfahrung und geht bedeutend achtsamer mit den Produkten um weil er verstanden hat, worum es geht: um reine Lebensmittel.

Guido Barth: Wenn du nicht auf Tour bist, lebst du in Los Angeles, wer kauft denn bei euch zu Hause ein?

Ziggy Marley: Darum kümmert sich eher meine Frau, aber sie kauft natürlich auch bio ein. Wir haben zwei Kinder und könnten ihnen gar nichts anderes zu Essen geben, das wäre ganz unmöglich.

Guido Barth: Du hast mal gesagt, eines Tages wird Musik ganz frei sein. Gute Lebensmittel gibt es aber nicht kostenlos. Wovon willst du leben?

Ziggy Marley: Wir finden da einen anderen Weg, die Vögel und die Bienen, sie haben ihren Weg und wir finden auch einen. Da mach ich mir gar keine Sorgen. Es gibt immer einen Weg.

Ziggy Marley

Jesus Christus und Krishna

Es gibt einige Religionen die bewusst auf Fleisch verzichten, wie Hinduismus, Budhismus, Jainismus – also vor allem, welche aus dem asiatischen Raum stammen. Andere wie die Juden essen dafür kein Schweinefleisch, da es als unrein gilt, in ganz Indien dürfte keine Kuh gegessen werden, da es als heilig betrachtet wird. Meinem Erstaunen jedoch sehen sich viele Personen (vor allem ältere) als gläubige Katholiken, erlauben Paare zu kritisieren, welche in einem Konkubinat leben, doch bestimmt alle von ihnen isst Fleisch...

Das nachstehende Gespräch habe ich vom Heft “Los Secretos de un Yogui” aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt.

(Gespräch zwischen Srila Prabhupada, Guru von Hare Krishna und dem katholischen Pfarrer Emmanuel, Benediktinermönch aus Deutschland)

Srila Praphupada: Welches ist der Sinn des Wortes der Christen?

Pfarrer Emmanuel: Christus kommt vom griechischen “Cristos”, und bedeutet “der Gesalbte”.

Srila Praphupada: Cristos ist die griechische Version des Wortes Krishna.

Pfarrer Emmanuel: Das ist sehr interessant.

Srila Prabhupada: Wenn eine hinduistische Person an Krishna ruft, sagt man “Krishta”, heiliges Wort das “Anziehung” bedeutet. Demnach, wenden wir uns an Dios als “Cristo” oder
“Krishna”. (...)

Ist es möglich Fleisch zu essen?

Pfarrer Emmanuel: Krishna kann keinen Erlaubnis geben um Tiere zu essen?

Srila Prabphupada: Doch, im Königreich der Tiere. Aber man geht davon aus, dass das zivilisierte, religiöse Menschsein keine Tiere zu töten und zu essen hat. Wenn die Christen sich wünschen Gott zu lieben, müssen sie das Töten von Tieren beenden.

Pfarrer Emmanuel: Aber das ist nicht der wichtigste Punkt...

Srila Prabhupada: Wenn ein Punkt fehlt, gibt es einen Fehler in der Kalkulation. Ohne Berücksichtigung des später Hinzugezählte oder Abgezählte, der Fehler ist bereits in der Kalkulation und alles das später folgt wäre nicht perfekt. Wir dürfen nicht nur den geschriebenen Teil akzeptieren der uns gefällt, ablehnen was uns nicht gefällt und zudem das Resultat verlangen. Zum Beispiel, eine Henne legt Eier mit seinem hintern Teil und isst mit seinem Schnabel. Der Bauer kann bedenken: “Der vordere Teil ist sehr teuer, weil ich ihn ernähren muss, besser ich schneide ihn ab.” Doch fehlt der Kopf, es gäbe keine Eier mehr weil der Körper tot ist. Auf die gleiche Weise, wenn wir die schwierigen Teile der Schriften weglassen und nur den Teil befolgen, der uns gefällt, so eine Interpretation wird uns nicht helfen. Wir müssen alle Mandate der Schriften akzeptieren wie sie uns gegeben wurden, nicht wie sie uns passt. Wenn du das Gebot: “Du sollst nicht töten”, nicht befolgst, wo ist dann die Liebe zu Gott?

Pfarrer Emmanuel: Das Wichtigste ist Gott zu lieben. Die gelebten Gebote können von der einen zur anderen Religion variieren.

Srila Prabhupada: Genau so in der Bibel, das praktische Gebot Gottes heisst: “Du sollst nicht töten” dadurch ist das Töten von Kühen eine Sünde von euch.

Pfarrer Emmanuel: Gott sagt den Hindus, dass töten nicht gut sei und sagt den Juden ...

Srila Prabhupada: Nein, nein. Jesus Christus lernte: “Du sollst nicht töten”. Weshalb interpretiert ihr dies zu eurer eigenen Bequemlichkeit?

Pfarrer Emmanuel: Aber Jesus erlaubte das Opfer des Osterlammes.

Srila Prabhupada: Aber nie unterhielt er einen Schlachthof.

Pfarrer Emmanuel (lächelnd): Nein, aber er ass Fleisch.

Srila Prabhupada: Wenn es nichts anderes mehr zu essen gibt, muss jemand Fleisch essen um nicht an Hunger zu sterben. Das ist was anderes, aber das Sündigste ist Schlachthöfe zu unterhalten, nur um ihre Zungen zu befriedigen.
Nun, Jesus darf alles essen, er ist mächtig, aber er lernte: “Du sollst nicht töten”. Also müsst ihr das Töten stoppen. Er ist mächtig und darf sich von der ganzen Welt ernähren, doch ihr dürft euch nicht mit Jesus Christus vergleichen. Ihr dürft nicht Jesus imitieren, ihr sollt seine Gebote ausführen. Somit werdet ihr durch ihn geführt, das ist wahrer Gehorsam. (...)

Herr Krishna sagt: “Wenn ihr mir mit Liebe und Verehrung ein Blatt, eine Blüte, eine Blume oder Wasser anbietet, so werde ich es annehmen.” Dies ist unsere Philosophie. (...)

Wir dürfen nicht etwas Unerwünschtes oder das er nicht verlangte annehmen. Somit dürfen Fleisch, Fisch und Eier nicht an Krishna angeboten werden. Wenn Er dies gewünscht hätte, so hätte er es auch gesagt. Doch im Gegenteil, er verlangt klar, dass man ihm ein Blatt, eine Frucht, Blüte und Wasser offeriere. Somit müssen wir verstehen, dass er Fleisch, Fisch und Eier nicht akzeptiert. Sondern Gemüse, Getreide, Früchte, Milch und Wasser sind die Nahrungsmitteln für Menschsein, und hier ist es durch Herr Krishna selbst vorgeschrieben. Alles andere kann nicht an Ihn offeriert werden, er würde es nicht akzeptieren; wir können Krishna nicht verehren, falls wir solche Speisen essen.

Kommentar des Verlages: Pfarrer Emmanuel wurde Vegetarier nach diesem Gespräch mit Srila Prabhupada.

Srila Prabhupada

Quelle:

natürlich vegetarisch, Magazin des Vegetarier-Bund Deutschlands - Quartal 4/2007

 

Los Secretos de un Yogui (spanisches Heft zur Philosophie Hare Krishnas)