Mangelerscheinungen bei Vegetariern?

Klischee oder Tatsache?

Im Jahre 2004 habe ich in der kaufmännischen Berufsmatura mit drei Schulkolleginnen (alle Vegetarierinnen) eine Projektarbeit zum Thema “Mangelerscheinungen bei Vegetariern” geschrieben. Auf dieser Website werde ich Auszüge der Arbeit widergeben.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Themenwahl zum Oberbegriff Ernährung war für uns einfach, da jedes Gruppenmitglied Vegetarier ist. Unseren Schwerpunkt Mangelerscheinungen bei Vegetariern haben wir kritisch hinterfragt. Mit unserer Arbeit wollen wir aufzeigen, ob es sich dabei nur um ein Klischee handelt oder es der Realität entspricht. Um die Antwort ausführlich zu belegen, haben wir unser eigenes Essverhalten zudem mit Hilfe einer Ernährungsberaterin untersucht.

Vorurteile gegen Vegetarier

Als Vegetarier müssen wir uns oft rechtfertigen. Viele Leute können sich die fleischlose Ernährung nicht vorstellen und hinterfragen unser ungewohntes Essverhalten. Wir haben uns deshalb mit den üblichsten Vorurteilen auseinandergesetzt:

  • "Ihr seid doch Aussenseiter!“

Je nach Ortschaft sind Vegetarier seltener anzutreffen, deshalb muss man sich vermehrt durchsetzen. Im Allgemeinen ist die Gesellschaft jedoch toleranter geworden und bei Einladungen wird auf die fleischlose Speise Rücksicht genommen.

  • "Was esst ihr überhaupt?“

Die vegetarische Ernährung ist für uns kein Problem, da wir lediglich auf Fleisch und Fisch verzichten. Daneben gibt es eine grosse Auswahl an gleichwertigen Alternativprodukten wie Hülsenfrüchten, Soja usw., womit wir uns ausgewogen ernähren können.

  • "Und im Restaurant?“

Zum Glück werden in den Schweizer Restaurants vermehrt vegetarische Menüs angeboten. Deshalb finden wir oft eine vielseitige Auswahl an Gerichten, die gegenüber fleischhaltigen Speisen preiswerter sind.

  • "Pflanzen sind auch Lebewesen!“

Über diese Frage macht sich kaum jemand ernsthafte Gedanken. Erstaunlicherweise wird sie aber häufig gestellt, um zu zeigen, dass die menschliche Ernährung immer auf das Töten von Lebewesen hinausläuft und damit das Töten von Tieren zu rechtfertigen ist.

  • "Irgendwann und irgendwie müssen Tiere ja sowieso sterben!“

Auch Menschen müssen irgendwann sterben, was uns aber nicht das Recht gibt, jemanden umzubringen (..., aufzuessen und aus seinen Knochen z.B. Seife herzustellen).

  • "Ihr habt doch Mangelerscheinungen!“

Dieses Vorurteil wollten wir genauer untersuchen und analysierten deshalb unser wöchentliches Essverhalten.

Analyse unseres Essverhaltens

Wichtig ist zu wissen, dass die vegetarische Ernährung genauso gesund – oder auch ungesund – sein kann wie nicht vegetarische Ernährung. Die Voraussetzung für beide Ernährungsformen ist, dass die Nahrung ausgewogen, vollwertig und richtig zusammengesetzt ist. Natürlich ist die Zusammenstellung einer veganen Kost anspruchsvoller als jene einer vegetarischen Ernährung.

Unsere Gesundheit ist abhängig von dem, was wir essen. Der menschliche Körper bildet sich aus allen Nährstoffen, die ihm durch Nahrungsmittel zugefügt werden. Diese benötigt er für den Aufbau von allen Organen wie auch für die Muskel- und Knochenbildung. Deshalb ist es wichtig auf eine nährstoffreiche Ernährung zu achten. Durch verschiedene Umwelteinflüsse sowie die zum Teil schonungslose Produktions- und Zubereitungsart der Nahrungsmittel wird die Aufnahme der lebenswichtigen Nährstoffe erschwert.

Während einer Woche haben wir ein detailliertes Esstagebuch erstellt, das mit Hilfe einer Ernährungsberaterin ausgewertet wurde. Überraschenderweise wurden bei uns Mängel festgestellt, die jedoch nicht unbedingt auf unsere fleischlose Ernährung zurückzuführen sind.

Vor allem war ein Vitaminmangel der B-Gruppe ersichtlich. Zur Behebung dieser Mängel empfahl sie uns die Einnahme von Multivitamintabletten oder Jemalt (ähnlich wie Ovomaltine). Ausser dem B12-Vitamin, können die B-Vitamine problemlos ohne Fleisch aufgenommen werden. Der Anteil des B12-Vitamins ist im Fleisch grösser als in Milchprodukten und Eiern, deshalb ist eine genügende Aufnahme dieses Vitamins etwas schwieriger.

Auch auf einen geringen Eisenmangel wurden wir aufmerksam gemacht, der jedoch häufig bei Frauen nachweisbar ist.

Zudem schlug sie uns vor, unsere Küche auf Rapsöl umzustellen, um den Bedarf an mehrfach ungesättigten Fettsäuren zu decken.

Obwohl wir bereits besonders auf eine ausgewogene Ernährung achten, wurden trotzdem kleine Mängel festgestellt. Deshalb stellen wir uns die Frage wie es wohl bei Nicht-Vegetariern aussehen mag?

Auswirkungen auf die Gesundheit

Ein allgemeiner Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Aminosäuren kann die Hauptursache für folgende Krankheiten sein:

  • Chronische Müdigkeit
  • wiederholte Infektionen
  • Depressionen
  • Krebs
  • Rheumatismus
  • Multiple Sklerose
Proteine Die Proteine sind vorwiegend im Fleisch enthalten, jedoch gibt es für Vegetarier genügend Möglichkeiten Proteine aus anderen Nahrungsmitteln zu gewinnen. Zum Beispiel aus Milchprodukten, Hülsenfrüchten, Eiern, Fisch, Nüssen, Tofu sowie Cornaturprodukten, auf die wir anschliessend näher eingehen werden.
Folgen bei Proteinmangel Wachstumsstörungen, verringerte Muskelbildung, Blutarmut, erhöhte Infektionsgefahr, verminderte geistige Leistungsfä­higkeit
Eisen Neben Eigelb und Fleisch kann Eisen auch aus Getreideprodukten gewonnen werden.
Folgen bei Eisenmangel Blutarmut
Calcium Milchprodukte sind reichhaltig an Calcium. Vor allem Veganer müssen auf eine genügende Zufuhr an Calcium achten, da diese keine Milchprodukte konsumieren.
Folgen bei Calciummangel Allgemeine Knochenerkrankungen (Osteoporose)
Vitamin B2 und B12 Diese Vitamine sind vor allem in Fleisch, Milch, Butter und Eiern enthalten. Die Vitamine der B-Gruppe sind wichtig für die organischen und zellulären Vorgänge.
Folgen bei Vitamin B-Mangel Verminderte Energieproduktion, Abnahme der Muskelspannung, geschwächtes Nervensystem sowie Blutarmut
Vitamin D In Eigelb, Fisch(fett), Leber und Butter findet man das Vitamin D.
Folgen bei Vitamin D-Mangel Knochen- und Zahnbildung können beeinträchtigt werden.

Angebote von Alternativprodukten

Unter dem Namen Cornatur bietet die Migros eine Produktlinie mit vegetarischen Fleischalternativen an. Das grösste Angebot besteht aus dem Pilzprodukt Quorn. Es ist somit ein schmackhafter Fleischersatz und weist eine gute Eiweissquelle auf.

Sojabohnenprodukte sind schon seit langer Zeit geschätzte Lebensmittel und weisen einen hohen Gehalt an hochwertigen Proteinen und Vitaminen der B-Gruppe auf. Zudem sind E-Vitamine und Eisen enthalten.

Der Tofu ist eine weiche, käseähnliche Nahrung, die aus frischer Sojamilch hergestellt wird.

Diese Produkte ermöglichen uns eine Küche mit vielseitigen Gerichten.

Nachfrage von Alternativprodukten

Um den Aspekt der Nachfrage beantworten zu können, führten wir ein Interview mit den Grossverteilern Migros und Coop. Leider waren die Antworten von Coop sehr ungenau und wir stellten ein Desinteresse fest. Hingegen bekamen wir ausführliche Informationen von der Migros-Genossenschaft.

Beim Gespräch mit Herrn Käslin, Lagerverwalter, von der Migros Sarnen stellte sich heraus, dass die Cornaturprodukte bereits seit 1995 auf dem Markt sind. Die Nachfrage von Alternativprodukte ist nicht riesig, aber die Tendenz ist steigend, da es eine immer grösser werdende Auswahl gibt.

Hauptkonsumenten sind vor allem junge und weibliche Personen, zum Teil aber auch ältere Konsumenten, die aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch verzichten müssen.

Die Produkte werden der Saison angepasst und deshalb ergeben sich laufend Änderungen und Neuerscheinungen, die das Angebot abwechslungsreich machen. Cornaturprodukte werden in Sargans hergestellt und bestehen hauptsächlich aus dem Pilz Quorn.

Die Werbung für die Alternativprodukte erfolgt nach dem gleichen Prinzip wie die der Fleischwerbung. Diese beinhaltet Degustationen, Wochenhits und das Verteilen von Flugblättern.

Neue persönliche Erkenntnisse

Durch die Jahre bin ich auf mehr Informationen gestossen, habe eine breite Informationsquelle und will auch sehr gesund und umweltbewusst Leben. Wie in der Projektarbeit beschrieben sind Mangelerscheinungen ein aktuelles Thema, das tatsächlich oft dazu verwendet wird, um uns Vegetariern weiszumachen, das uns was fehlt. Aber gerade wegen der Gesundheit zu Liebe stellen viele Leute auf Vegetarismus um; Fettleibigkeit, Herzattacken, Arterienverkalkung können durch den Fleischverzicht vorgebeugt werden.

Das Märchen der fehlenden Aufnahme der Vitamin B-Gruppe ist nicht mehr wirksam. Der Mensch braucht diese B-Vitamine nur in geringer Menge und sie  findet man alle in Früchten und Gemüsen (z.B. Avocados, Banane, Soja).

Vegetarier legen oft viel Wert auf die eigene Ernährung. Ich selbst habe bemerkt, dass ich mit meiner Küche absolut abwechslungsreich esse und ich fühle mich topfit, treibe zusätzlich Sport, was ja bekanntlich zu mehr Vitaminverbrauch führt. Das Vitaminverlangen kann man auch zusätzlich beeinflussen durch Beschränkung, bzw. Weglassen von Süssigkeiten, Schokoladen, Alkohol, Rauchen...

Ich bin demnach überzeugt, dass ich auch nach Wechseljahren und höheren Alters keine grosse Gesundheitsprobleme habe.