Tinnitus - Alarm aus dem Innenohr
Hattest Du auch schon nach dem Ausgang, lautem Konzert oder Stress ein Pfeifen, bez. Rauschen im Ohr? Dann weisst Du ja bereits wovon ich spreche. Der Begriff Tinnitus aurium (lat. „das Klingeln der Ohren“) oder kurz Tinnitus bezeichnet ein Symptom bzw. Syndrom bei dem der Betroffene Geräusche wahrnimmt, die keine äußere für andere Personen wahrnehmbare Quelle besitzen.
Inhaltsverzeichnis
Volkskrankheit
Das Phänomen "Tinnitus" ist so alt wie die Menschheit. Aus zeitgenössischen Krankheitsberichten geht hervor, dass bereits die frühen Ägypter den unangenehmen Ton im Ohr kannten. Doch erst in den letzten Jahren ist das Tinnitusleiden zu einer regelrechten Volkskrankheit geworden.
Etwa 10–20 % der Bevölkerung sind von Tinnitus dauerhaft betroffen, knapp 40 % stellen zumindest einmal im Leben ein derartiges Ohrgeräusch fest. Etwa ein Drittel aller älteren Menschen gibt an, ständig Ohrgeräusche wahrzunehmen. Der Beginn der Krankheit liegt typischerweise zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Besonders in den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Tinnituspatienten laut Meinung einiger Autoren in den westlichen Industrieländern stark gestiegen.
Mögliche Folgen
Oft sind massive Einflüsse auf die Psyche, Schlafprobleme und Nervosität bis hin zu Arbeitsunfähigkeit die schwerwiegende Folgeerscheinungen. Der wichtigste Grund für die zunehmende Zahl an Krankheitsfällen ist wohl die rasante industrielle und technische Entwicklung der letzten 50 Jahre.
Das Ohr ist als das Empfindlichste von allen Sinnesorganen der Zunahme der Umweltgeräusche, der akustischen Belastungen in Verkehr, Beruf oder Freizeit relativ hilflos ausgeliefert. Die Möglichkeiten, sich gegen diese ständige Reizüberflutung zu schützen, sind begrenzt. Sogar während des Schlafs ist das Ohr fortwährend Geräuschen unterschiedlicher Lautstärke ausgesetzt.
Ursache
Die häufigste Ursache für Hörschäden und Tinnitus ist Lärm. Man unterscheidet dabei zwischen akuter Lärmeinwirkungen und chronischer Lärmbelastung in einem dauerhaft lauten Umfeld. Ein akuter Lärmschaden kann ab einer Schallstärke von 120 Dezibel (entspricht einem Rockkonzert) entstehen. Unabhänging von der Höhe der Töne sorgt die Wucht des geballten Schalls für eine Schädigung der Schnecke im Gehörgang.
Weitere Ursachen können Stress, Hörsturz, Entzündungen und Tauchunfälle sein.
Heilung
Wenn der Tinnitus nach wenigen Monaten noch immer hörbar ist, so wird von chronischem Tinnitus geredet und die Heilungsmöglichkeit ist relativ gering. Medikamente gibt es noch nicht. Durch Alternativtherapien konnte man zum Teil den Tinnitus angenehmer machen, aber ganz ausschalten ist kaum mehr möglich. Denn Tinnitus ist keine Krankheit wie eine Wunde; durch eine Überbelastung der Häarchen im Innenohr wird ein Warnsignal ans Hirn gesendet, wo dem Betroffenen ein Rauschen oder Pfeifen auslöst. Also müsste man den Gedanken vergessen...
Es werden verschiedene Behandlungen des Tinnitus aurium angewandt, allerdings konnte bei keiner Therapie bisher wissenschaftlich eine Wirksamkeit nachgewiesen werden.
Schutz
Es gibt wenige Möglichkeiten um sich vom Lärm zu schützen. Doch die Effizienteste ist bei Discobesuchen, Bauarbeiten oder anderen überdimensioniertem Lärmpegel mit Ohropax, (Gehörstöpsel oder Gehörpropfen) entegegenzutreten. Bei der Unfallversicherung SUVA oder beim SonicShop gibt es verschiedene Gehörpfropfen zu kaufen. Die Musik in der Disco oder in Konzerten ist meistens zu laut. Das kann aber Folgen haben. Deswegen rate ich ab sofort dein Gehör besser zu schützen. Vorbeugen ist leichter als Symptome zu bekämpfen. Zudem höre nie laut MP3-Player, Discman oder sonstiges, weil dies unbemerkt dein Gehör überbelastet, da der Kopfhörer direkt am Ohr liegt.
Ein Gespräch mit Beat Hohmann
Hauptbahnhof Zürich. In der grossen Halle spielte ein hoch qualifiziertes Orchester auf. Ein "effektvoller Auftritt", berichtet die Lokalpresse. Was sie verschwieg: Die Ambulanz musste etliche Musiker notfallmässig ins Spital einliefern, nachdem Tschaikowskys Kanonen ohrenbetäubend gedonnert hatten.
Wie laut soll Musik sein? Ein Gespräch mit Beat Hohmann, Leiter des Bereichs Akustik bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) in Luzern.
Michaelskalender: Wie laut soll Musik sein?
Beat Hohmann: Das Gehör ist ein absolutes Wunderwerk. Es nimmt einen Lautstärke-Unterschied von 1:1 Million wahr. In einer Orchestermusik kann es einem einzelnen Instrument folgen, es versteht Sprache und merkt aus dem Klang einer Stimme ob sie freundlich, wütend oder fröhlich klingt. Zu laute Musik kann zu Gehörschädigungen führen. Die Lautstärke eines Geräusches, der Schallpegel, wird allgemein in Dezibel (dB) angegeben. Es ist das Mass für die Beurteilung von Lautstärke. Die "gesunden Werte" bewegen sich im Bereich von plus/minus 70 Dezibel. Als Vergleichswert: Der Schallpegel des Strassenverkehrs liegt zwischen 70 und 80 Dezibel. An Arbeitsplätzen sind Gehörschutzmittel obligatorisch, wenn der Dauerschallpegel 87 Dezibel überschreitet.
Die Wahrnehmung von Lautstärke ist sehr unterschiedlich. Was für die einen zu laut ist, ist für die andern zu leise.
Handelt es sich um eine Kreissäge oder einen startenden Jet, halten sich die meisten Leute schnell die Ohren zu, ist es aber eine Musik, die gefällt, die mitreisst, ertragen die Leute dieselbe Lautstärke viel länger. Dem Gehör ist aber völlig egal, was für eine Schallquelle diese Lautstärke verursacht, es registriert schlicht und einfach Dezibel mal Einwirkungszeit. Dies hat jedoch eine Konsequenz: Je besser eine Band spielt und tönt und je sympathischer einem die Musik ist, desto weniger stört ihre Lautstärke, und um so gefährlicher wird sie für das Ohr.
Was genau geschieht im Ohr?
Bei übermässiger Lärmbelastung nimmt zuerst die Empfindlichkeit der Gehörnerven (sie sehen in der Vergrösserung wie feine Härchen aus) in der Gehörschnecke im Innenohr ab. Davon kann sich das Ohr in ruhigen Phasen wieder erholen. Kritisch wird es jedoch, wenn sich Überbelastungen ständig wiederholen. Dann bleibt die Erholung des Innenohrs unvollständig und die Sinneszellen sterben mit der Zeit ab. Bildlich dargestellt: Wie ein Getreidefeld auf den Wind reagiert, nehmen die Gehörnerven den Schall auf. Plötzliche Knalle oder eben laute Musik wirken wie eine peitschende Sturmböe im Getreidefeld: Die Halme werden irreparabel geknickt, verfaulen, sterben ab.
Wann ist es nicht mehr zu überhören, dass mit dem Gehör etwas nicht stimmt?
Alarmzeichen sind, wenn es in den Ohren pfeift, rauscht oder summt - sich der so genannte Tinnitus einnistet. Wer Ohrgeräusche hört oder Taubheitsgefühle hat, sollte dringend einen Spezialisten aufsuchen. Tinnitus kann vorübergehend oder permanent auftreten. Bei vielen Leuten sind die Geräusche-Wahrnehmungen so stark, dass sie massiv darunter leiden. In schweren Fällen kann Tinnitus bis zur Arbeitsunfähigkeit oder gar Invalidität führen.
Stichwort Prophylaxe - was empfehlen Sie?
Das Einfachste, aber auch das Wichtigste: Verzicht auf Lautstärken, die permanent einen hohen Pegel haben. Und: Auf die Warnsignale achten, mit denen das Gehör gegen Überbelastung protestiert. Gehörschutzpropfen aus Schaum- oder Kunststoff sollten bei lauten Musikveranstaltungen (klassische Konzerte, Oper, Musicals, Discos oder Pop-Konzerte) eine Selbstverständlichkeit sein. Für Musiker und "empfindliche" Zuhörer gibt es inzwischen auch spezielle Musiker-Gehörschutzpropfen, die linear dämpfen: das heisst der gesamte Frequenzbereicht wird gleichmässig leiser. Noch besser, aber auch sehr teuer, sind individuell angepasste Ohreinlagen, die mit verschiedenen starken Filtern versehen werden können.
Ist der Sündenbock wirklich immer die Musik?
Wie bereits angetönt - natürlich gibt es auch andere Ursachen, die zu Hörschädigungen führen. Eine ganz gewöhnliche Spielzeugpistole entwickelt einen Knall von 186 Dezibel. Auch Feuerwerkskörper, Böllerschüss und Trillerpfeifen richten nahe am Ohr verheerende Gehörschädigungen an. Diese Liste könnte x-beliebig weitergeführt werden.
Quelle:
Buch: Tinnitus aurium - Alarm aus dem Innenohr von Dr. med. Helmut Schaaf und Dr. med. Gerhard Hesse




