Vorbereitung für Südamerika

Ich habe mich zwei Jahre mit den Steyler Missionare für den Auslandeinsatz vorbereitet. Dabei lernte ich Personen kennen, die bereits ein Sozialjahr geleistet haben. Zudem wurde ich von den Steyler Brüder zum Austausch eingeladen, unterstützt und von grossem Interesse zu Aktionen animiert.

Inhaltsübersicht

Motivation

Durch meine zwei Zivildienst-Einsätzen in der Schweiz habe ich bereits gute und erlebnisreiche Erfahrungen sammeln können. Zudem habe ich in einem Knabenheim in Cape Town (Südafrika) für zwei Monate gearbeitet, was mir die soziale Tätigkeit näher gebracht und mir den Horizont erweitert hat. Aus diesen Arbeiten, Reisen und Austausch habe ich mich entschlossen für ein ganzes Jahr in einem Entwicklungsland tätig zu sein. Dank den Steyler Missionare wird dieser Schritt und Traum bald wahr. Ich freue mich auf die kommende Verantwortung und Erlebnisse.

Rede in einer Messe

Im Frühling 2004 hielt ich, durch die Steyler Missionare im Bezug auf meine bevorstehende Südamerikareise, in einer Kirchmesse eine Predigung.

Südamerika - in einem Jahr wird es soweit sein. In welches Land ich reisen werde, weiss ich noch nicht.
Ich werde Abschied nehmen von einem gewohnten, zum Teil kapitalistischen, verwöhnten Leben. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ich werde eintauchen in eine neue Kultur, Klima und eine andere, mir noch fremde Sprache.

Aller Anfang ist schwer, doch ich bin überzeugt, dass ich mich durchzubeissen weiss. Es gibt mir Kraft und Zuversicht zu wissen, dass ich nicht alleine reisen werde. Denn ich werde begleitet von meinem Glaube und auch meiner Grossmutter die vor zwei Jahren verstorben ist. Sie hat mich stets bei meinen Vorhaben, Wünschen und Träumen unterstützt. Ich leiste Zivildienst; ich will mit meinen Händen etwas Gutes tun und gewaltlos für eine bessere Welt kämpfen.

Südamerika - ich will meine Hilfe anbieten, einer Tätigkeit nachgehen, mit den Leuten kommunizieren und von ihnen lernen sowie mein Wissen weitergeben. Dies ermöglichen mir die Steyler Missionare.

Ich glaube. An sichere Lebensgrundlage für alle!
So lautet das diesjährige Thema des Fastenopfers und es spricht mir aus dem Herzen.
Mehr als 800 Millionen Menschen leiden täglich an Hunger, obwohl weltweit genügend Nahrungsmittel zur Verfügung steht. Doch die Verteilung funktioniert nicht und ist ungerecht, da sie vor allem durch globale Firmen kontrolliert wird.

Ein Mensch ist doch ein Mensch. Wir alle sollen die gleichen Rechte haben. Egal aus welchem Land man kommt, welchen Glauben man hat und wie man sich gewohnt ist zu leben.

Ich freue mich auf meinen Sozialeinsatz und auf die Arbeit in Südamerika.

Interview in der Zeitschrift "Stadt Gottes"

Für die Zeitschrift "Stadt Gottes" der Steyler Missionare wurde ich und Christian zu einem Interview eingeladen, das ich hier gerne veröffentliche.

Missionare auf Zeit (MaZ) - ein Angebot der Steyler Missionare
Gutes tun und die Welt in Einklang bringen

Sie haben hoch fliegende Pläne und sind voller Enthusiasmus: Missionare auf Zeit. Aber wie sieht die Realität aus? Zwei junge Schweizer diskutieren über Anspruch und Wirklichkeit: Christian Gassmann, 30, Lehrer aus Hochdorf, war von 2001 bis 2002 in Chile für die Steyler im Einsatz. Michael Hurschler, 22, kaufmännischer Angestellter aus Kerns, bereitet sich auf seine Arbeit in Bolivien oder Chile vor. Das Gespräch moderierte Xaver Schorno.

Michael Hurschler
Christian Gassmann

Schorno: Das Leben in der Schweiz ist weitgehend bequem und sorgenfrei. Für die meisten Leute ein Grund, auf Veränderungen und Wagnisse zu verzichten. Sie, Christian Gassmann und Michael Hurschler, haben sich anders entschieden. Was gab den Ausschlag?

Gassmann: Menschen sind mir wichtig. Für sie will ich etwas tun - in der Schweiz, im Ausland. Ich habe aus Überzeugung das Militär verweigert und mich für den Zivildienst entschieden. Auf der Suche nach einem sinnvollen Einsatz bin ich bei den Steylern gelandet. Ich wollte etwas bewegen, vermitteln, einbringen. Eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung spielte auch der Glaube. Ich wollte in Chile nicht meinen Glauben missionieren, aber das Christsein im Alltag offen und ehrlich leben.

Hurschler: Ich möchte etwas Gutes tun.Und es soll eine konkrete, handfeste Arbeit sein. Hinzu kommt die Faszination anderer Länder und Kulturen.

Entwicklungshilfe ist umstritten. Macht das Steyler Angebot "Missionar auf Zeit" überhaupt Sinn?

Gassmann: Jede Kultur muss sich mit anderen Kulturen auseinandersetzen. Ich ging nach Chile um zu lernen und nicht, um den Menschen dort zu zeigen, wie man es macht. Ich wollte mithelfen, Feindbilder und Falschbilder (der überlegene Europäer) abzubauen. Ich habe niemandem meine Art oder Meinung aufgezwungen. So gesehen, macht die Arbeit in Dritte-Welt-Ländern sicher Sinn - für beide Seiten.

Hurschler: Ich sehe das auch so. Der Sinn liegt im Voneinander-Lernen. Unsere Hilfe soll angeboten, nicht erzwungen werden.

Motivation und Sinnfragen sind geklärt. Wie geht es weiter? Steigt man dann einfach ins Flugzeug ein?

Hurschler: So einfach ist das nicht.

Sondern?

Hurschler: Die Steyler bieten mit der rund einjährigen Vorbereitungszeit einen strukturierten Einstieg an: Gestartet wird mit dem Orientierungsseminar zur Entscheidungsfindung, daran schliessen sich drei thematische Wochenendseminare, eine Klosterwoche sowie ein Blockseminar von zwei Wochen in Steyl an. Und: Das Feilen an den Sprachkenntnissen ist ebenfalls ein Muss.

Und als Sie, Christian Gassmann, im Flugzeug sassen - wie fühlten Sie sich?

Gassmann: Mulmig. Ich hatte Angst. Will ich das? Schaff ich das? Wie werde ich aufgenommen? Kann ich mich überhaupt verständigen? Fragen über Fragen. Erste Antworten hatte ich bereits am folgenden Morgen. Die Familie, bei der ich wohnte, empfing mich herzlich und mit offenen Armen. Das Übrige lag im Nebel. Sinnigerweise. Es war kalt, die Häuser armselig - in den Stuben war es nicht wärmer als draussen.

Nicht gerade einladen. Herr Hurschler, haben Sie manchmal auch Angst?

Hurschler: Nicht wirklich. Aber vielleicht kommt das alles noch. Ich habe einen Grundsatz, der mir in dieser Situation sicher hilft. Ich habe keine Erwartungen, gehe offen auf die Leute zu. Und jetzt, nach Christians Schilderung, halt auch auf die kalten Stuben.

Das tönt etwas theoretisch!

Hurschler: Ja, vielleicht. Auch ich kann den "tüchtigen Schweizer" nicht ganz verleugnen. Ich will stolz sein auf meine Arbeit, ein Resultat erreichen, ein Projekt auf die Beine stellen. Selbstverständlich. Und: Ich möchte die Welt in Einklang bringen. Ich wünschte sie mir vor allem ohne Vorurteile. Wir leben doch alle auf derselben Erde. Trotzdem: An meinem Grundsatz halte ich fest.

Sie, Herr Gassmann, hatten viele konkrete Pläne und Projekte im Kopf. War das im Nachhinein gesehen die richtige Einstellung?

Gassmann: Ich hatte tatsächlich viele Ideen. Viele waren fehl am Platz. Vorgesehen war die Mitarbeit im Internat, in der Pfarrei und in der Landwirtschaft. Es schien jedoch, als bräuchte man mich nicht. Es lief auch ohne mich. Ich war frustriert. Hinzu kamen die sprachlichen Probleme. Die Internatsschüler lachten sich die Bäuche schlapp. Das Leistungssystem, das ich einbringen wollte, stiess auf Opposition.

Was raten Sie ihrem Kollegen?

Gassmann: Zuerst müssen wir ganz einfach mal mitleben, mitdenken, die andere Kultur kennen lernen. Michaels Grundsatz "Ich habe keine Erwartungen" ist schon der richtige. Kulturbedingte Lebenseinstellungen können wir nicht ändern. Wir müssen sie akzeptieren.

Hurschler: Wir müssen lernen, andere Kulturen ernst zu nehmen. Leicht ist es nicht. Die Erwartungshaltungen sind tief verankert.

Sie waren frustriert, Christian Gassmann. Gab es eine Lösung?

Gassmann: Die Stimmung verbesserte sich rasch. Plötzlich fragten mich die Leute, ob ich ihnen da und dort helfen könne. Im Nu hatte ich genug Arbeit - im Internat, in der Landwirtschaft, in der von Steylern geleiteten Pfarrei, sogar ein Computer-Projekt kam zustande.

Ein schwieriger Einstieg, ein gutes Ende. Was würden Sie heute anders machen?

Gassmann: Giesskannenprinzip und fixfertige Exportlösungen sind zum Scheitern verurteilt. Entwicklungszusammenarbeit ist ein langsamer Prozess und er muss von den Menschen getragen und auch umgesetzt werden. Heute würde ich zuerst viel Zeit einsetzen, um die Situation genau kennen zu lernen. Dann würde ich den Menschen Möglichkeiten anbieten, wo sie selber die Initiative ergreifen, die Verantwortung übernehmen können.

Sie, Herr Gassmann, sagten, Sie hätten in Chile viel gelernt, viel Entgegenkommen erfahren. Was haben Sie in die Schweiz mitgenommen?

Gassmann: Einsichten, Aha-Erlebnisse, ein Stück Heimat, Freundschaften, Gelassenheit und die Kraft, der Lebensart in der Schweiz pointierte Meinungen und soziale Taten entgegenzuhalten. Unser Denken ist völlig anders. In diesem Sinn hat auch ein Heilungsprozess stattgefunden.

Für Sie, Herr Hurschler, sind noch alle Optionen offen.

Hurschler: Ich denke, es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Auf die neuen Erfahrungen und Erkenntnisse freue ich mich. Sie tun mir sicher gut. Einen Lernprozess hat dieses Gespräch bereits vorweggenommen. Es sind zwei Einsichten: Erstens: Das Leben dreht sich nicht nur ums Geld. Zweitens: Offenheit und Flexibilität sind eine Grundvoraussetzung für die Arbeit in einem Dritte-Welt-Land.


Quelle:

Zeitschrift "Stadtgottes" von Steyler Missionare