persönliche Erfahrung

Oft ist es nicht leicht gegen den Strom zu schwimmen und durch Überzeugung auf Dinge zu verzichten. Durch langjährige Erfahrung als überzeugter Vegetarier erläutere ich meine eigenen Gedanken und Erlebnisse zu dem zum Teil doch sehr heiklen Thema:

Erste Vorzeichen für einen genusslosen Fleischverzehr

Bereits als kleiner Knabe empfand ich gewisse Fleischstücke als unangenehm. Zähes Fleisch war hässlich und mit 100 Bissen – als Ratschlag der Eltern – würgte ich es am Ende hinunter. Seit Geburt musste man mir zum Beispiel keine Leber oder Blutwurst vortischen. Ich fand das ätzend und wich auch dem Geruch aus. Im Kindesalter bereits konnte ich nicht verstehen, weshalb man Pferdefleisch oder Kaninchen essen kann. Das sind doch so schöne und liebe Tiere. Ich hatte immer in einer bäuerlichen Gegend gewohnt; Kühe weideten stets in der Nähe. Beim Vorbeigehen grüsste ich sie, schaute in ihre Augen und bemerkte, dass sie mich wahrnehmen und auch beobachten. Ich stellte fest, dass ich da Leben vor mir habe und kein langweiliges Fleischprodukt.

So begann ich schon früh ab 14 Jahren immer weniger Fleisch zu essen. In Restaurants hatte ich nur noch fleischlose Menüs bestellt. Kam mal Fleisch auf den Teller (zum Beispiel bei Festen oder Geschäftsessen) so ass ich schnell und genusslos das Fleisch, damit ich anschliessend langsam das Gemüse und die Beilage geniessen konnte. Mit 17 Jahren ass ich nur noch dreimal im Jahr Fleisch, da ich an drei Geschäftsessen eingeladen wurde und ich noch nicht den Mut hatte, einen Teller ohne Fleisch zu bestellen, aber den Teller mit Resten zurücklassen konnte ich ebenfalls nicht, weil ich dazu erzogen wurde, immer alles auszuessen.

Schlagzeilen von BSE, Maul- und Klauenseuche und anderen Krankheiten in der Fleischindustrie

Ich war gerade am Mittagessen die Nachrichten hörend, welche von der neuen Krankheit BSE bei Rindern berichtete. In England wurden Tiere massengeschlachtet, beziehungsweise verbrannt, welche Anzeichen des Rinderwahns hatten. Durch die schwammartige Gehinkrankheit, welche durch das Verfüttern von Tiermehl aus Schlachtabfall entstehen kann, können sich die Rinder nicht mehr auf den Beinen halten. Kühe sind doch Pflanzenesser; ist es nicht logisch, dass Krankheiten entstehen, wenn gegen die Natur gespielt wird? Durch diese Missstände ist es für mich klar, dass ich durch den Verzicht auf Fleisch den richtigen Weg gehe. Also will ich nun auf 100%-tige Vegetarierernährung umstellen. Doch wie soll ich das nur kommunizieren? Wie werden meine Familie und Freunde das aufnehmen?

Eine Kuh macht Muh - viele Kühe machen Mühe. Zitat von Unbekannt

Endlich Vegetarier

Interesse für Friedenspolitik zeigend, bin ich auf den Bundeshausplatz demonstrieren gegangen, worin gleichzeitig die Initiative der Armeeabschaffung in der Schweiz propagiert wurde. Wie so oft bin ich als Einzelkämpfer unterwegs, weil in meiner bäuerlichen Wohngegend keine Person meine Interessen soweit lebt, dass sie mich begleiten würde. Jedenfalls setze ich mich in der Heimreise im Zug ins Abteil einer jugendlichen Frau, mit welcher ich ins Gespräche komme. Wir kommen auf Vegetarismus zu sprechen, worin sie mir mitteilt, dass sie Vegetarierin ist und ihr die Umstellung relativ leicht gewesen ist. Weshalb ist bei mir denn alles immer so ein Kampf? Sie lernt mich, wie ich mit Einladungen umzugehen habe und am Bestens bereits im Vorfeld mitteile, dass ich kein Fleisch esse. Seit dieser Begegnung, im Oktober 2001, habe ich kein Fleisch mehr gegessen, muss mich jedoch vermehrt mit Konfrontation auseinandersetzen, Erklärungen abgeben, schlechte Witze anhören, mich beweisen und so weiter... Wenn man sozial ist und sich weiterhin mit der Masse trifft, so sind Konflikte halt nicht ganz ausgeschlossen.

...und Fisch?

Tatsächlich habe ich erst ein Jahr später nach Fleischverzicht auch auf den Fischverzehr verweigert. Ehrlich gesagt mochte ich nie wirklich den Fischgeschmack. Doch ein Familienmitglied fand es unzumutbar aus gesundheitlichen Gründen auch auf Fisch zu verzichten. Zudem reiste ich nach Südafrika, um während zwei Monaten in einem Sozialprojekt zu arbeiten. So handelte ich mit der Gastfamilie aus (als Kompromiss) Fisch zu verzehren, wenn sie meine Fleischabstinenz akzeptieren.

Nach der Rückkehr habe ich jedoch einen eindrücklichen Dokumentarfilm über Lachsfischzucht gesehen. Es wurde von Gewässerverschmutzung berichtet, da Fischzuchten auf offenen Gewässen mit Hormon und anderen chemischen Mitteln behandelt werden. Das Sterben von Wildlachsen ist ein Thema gewesen, weil sie durch die Hormonen im Wasser unfruchtbar werden oder erkranken und genveränderte Fische sind auch gezeigt worden. Der Fischkonsum als gesund zu betrachten konnte, nebst der Umweltverschmutzung, mich also nicht mehr davon abhalten, auch darauf zu verzichten.

Umweltschützer = Vegetarier

Während mehreren Jahren habe ich im Vorstand einer WWF Regionalgruppe mitgewirkt. Erstmals habe ich andere Vegetarier kennengelernt, obwohl wir immer noch in der Minderheit sind. Die Meisten als sich bezeichnete Umweltschützer essen ohne grosse Sorgen Fleisch, ein “Vegetarier” hat zudem zugegeben, dass er weiterhin Fisch konsumiert. Mit der Zeit habe ich mehr festgestellt, dass Vegetarismus einen grossen Beitrag gegen Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung beitragen kann.

  1. Durch die Fleischindustrie leben millionenfach mehr Tiere auf der Erde die CO2 ausstossen, zudem ist auch bekannt, dass Kühe Methan ausstossen, welches direkt an der Klimaerwärmung beteiligt ist.
  2. Die Nahrung von Masttieren ist umweltbelastend und unnatürlich. Schlachtabfälle werden stark erhitzt, damit die Bakterien getötet werden und später als Mehl wieder an die Pflanzenesser verfüttert werden kann.
  3. Fische werden zu Millionen als Fischmehl hergestellt, damit es der Nahrung der Tiere hinzugemischt werden kann. Wo Fischfabriken stehen, ist zudem eine grosse Luftverschmutzung wahrzunehmen. Wo Fische gezüchtet werden ist das Wasser mit Chemikalien verschmutzt, bei Wildfang wird die Umwelt durch Überfischung belastet und die Netze zerstören zudem die Unterwasserwelt. Also kein Fisch und Fleisch ist die einzig korrekte Ernährung.
  4. Die Fleischproduktion ist sehr energieaufwändig. Tonnen von Getreiden werden mit Lastwagen zum Fleischproduzent transportiert, durch 30 Kilo Getreide und 15 Kubikmeter Wasser entsteht lediglich 1 Kilo Fleisch.
  5. Ebenfalls ist Luftverschmutzung auch auszumachen bei Grillparties. In Chile ist am Nationaltag, der 18. September Tradition zu grilliertem Fleisch das Land zu feiern. An diesem Tag ist es absolut extrem wie die Luft verpestet ist.

Tierschützer = Vegetarier

Zu Tieren hatte ich schon immer eine spezielle Beziehung. Sie lösen in mir eine Faszination aus und ich spüre eine tiefe Verbundenheit. Durch einige Erfahrung scheint es mir, dass wir nicht viel unterschiedlicher sind als Tiere. Ein wesentlicher Unterschied ist die Kommunikation. Ansonsten sind Tiere sehr, wirklich sehr ähnlich, sie verspüren Schmerz, Trauer, Wut, aber auch Freude und Zuneigung. Sie kämpfen um ihr Überleben und sind lernfähig. Auch tiergerechtere Haltungen oder Biohöfe können die stressigen Transporte, die Angst und das Leiden der Tiere nicht eher ertragbar machen oder ganz abschalten.

“Ich habe das blutige Handwerk gelernt und bin noch dazu 12 Jahre lang int. Viehtransporte gefahren. Ich habe vieles gesehen,wo sich andere wegdrehen oder zu heulen beginnen. Und das in den Videos gezeigte sind keine!!!!Einzelfälle sondern die nackte Realität!!!! Und zu sagen made in Germany ist auch weit hergeholter Blödsinn,da du keine Ahnung hast,woher das Tier im Endefekt gekommen ist.”
Kommentar von fapsman unter youtube zum Video “Schande.ch”

Kampf gegen Welthunger = Vegetarier

Wenn bei Vegetariern oft das lebende Tier in den Vordergrund gestellt wird und man sich dafür einsetzt, ist man nicht weniger sozial. “Der Mensch kommt vor dem Tier” wird oftmals gesagt. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass wir weder mehr noch weniger wichtig sein sollten wie das Tier und unsere Umwelt. Wir leben mit Tieren und der Natur zusammen, deshalb ist es auch unsere Aufgabe sie zu schützen. Machen wir das nicht, so wird das früher oder später wieder auf uns zurückprallen.

Wie oben bereits erwähnt ist für ein Kilo Fleisch, 30 kg Getreide und 15 km3 Wasser nötig. Die Tiere werden oft künstlich hergezüchtet, sie haben mehr als genug zu essen und zu trinken. Daneben sterben Leute an Hunger und Wassermangel.

Das Klima wird durch die Fleischproduktion stark angeheizt. Die Auswirkungen dabei müssen wiederum die Ärmsten in Afrika und anderen wasserknappen Ländern ausbaden. Durch die prognostizierte Klimaerwärmung breitet sich die Wüste aus, das Wasser wird knäpper, fruchtbares Land wird arger. Die Zukunft sieht gar nicht rosig aus. Bald könnten Kriege nach Wasserquellen ausbrechen, im gleichen Masse wie das Erdöl Auslöser für Konflikte ist.

Ich glaube Vegetarismus ist auch in dieser Hinsicht eine klare Antwort dazu.

Pazifist = Vegetarier

Wer sich als Pazifist bezeichnet, also gegen Gewalt ist, darf aus keinen Umständen Fleisch essen. Denn dem Tier wird viel Gewalt ausgesetzt bis es endlich brutal und qualvoll getötet wird und am Ende als rotes Stück auf dem Teller liegt, alle Wunden und Verunreinigungen herausgeschnitten.

Wie ich aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten kann, so kann ich ebensowenig Fleisch essen. Beide werden vom Staat subventioniert, doch bringen sie mehr Unheil und sind teil der Gewaltverherrlichung, als dass sie einen Nutzen bringen.

Früher wurden Personen als Sklaven in kleinen Häusern gehalten, ohne Erlaubnis auf Ausgang, mit Schusswaffe bedroht, jeglicher Willen und Sinn ans Lebens wurde ihnen genommen. Sklaverei ist heute nicht mehr erlaubt (obwohl es noch einzelne Fälle davon gibt). Tiere werden heute noch genauso gehalten. Ich habe aber Hoffnung, dass irgendwann auch die Tierversklavung verboten wird.

... und Veganer?

Ein Freund aus der Schweiz ist vor mehreren Jahren von Vegetarier auf Veganer umgestiegen. Auf seiner Homepage www.vegan.ch informiert er aktuell auch über die Problematik von Milch- und Eierindustrie. Tatsächlich muss ich ihm recht geben und denke, dass es für mich auch das Beste wäre umzusteigen. Aus anderen Seiten höre ich wie leicht das geht. Doch da muss ich wieder gegen argen Widerstand ankämpfen. Viele Leute sehen Veganer als Extremisten, ich sehe es als die Konsequentesten. Zweitens lebe ich zur Zeit in Südchile, in einer Milch- und Fleischregion, wo es nicht mal Tofu in den Einkaufszentern zu kaufen gibt. Sojamilch, Sojayoghurt und andere Produkte kannst du gleich vergessen. Dafür gibt es wenigstens Sojamehl wo man selbst die Sojamilch anrichten kann. Schokolade ohne Milch, Nachspeise ohne Eier gibt es eigentlich nicht. Ich habe die Produkte schon sehr genau unter die Lupe genommen.

Somit lebe ich für mich nun in einem Kompromiss, wo ich wenigstens zu Hause versuche so vegan wie möglich zu leben. Doch ausserhalb, als eingeladene Person kann ich froh sein, wenn sie mich als Vegetarier akzeptieren.

Für mich ist aber klar: Vegetarismus ist gut – Vegan ist besser ;-)

Besten Dank für dein Interesse!